Wenn es um die Auswirkungen von Plastik und Mikroplastik auf die Umwelt geht, liegt der Fokus meist auf den Ozeanen. Bilder von Meerestieren mit Resten von Fischernetzen, Plastiktüten oder anderem Abfall im Bauch oder am Körper sind inzwischen fast allgegenwärtig. Doch die Meere und Gewässer sind nicht die einzigen Lebensräume, in denen sich die Kunststoff-Vermüllung bemerkbar macht. Schon länger zeigen Studien, dass vor allem Mikroplastik inzwischen auch fast überall in den Böden vorkommt. Der Kunststoff gelangt unter anderem über in der Landwirtschaft verwendete Abdeckfolien oder über ungenügend gereinigten organischen Dünger in den Boden. Auch über Luft und Wasser werden viele Plastikpartikel eingetragen.
Auswirkungen auf Regenwurm, Milbe und Co untersucht
Doch welche Folgen hat das für die Bewohner des Bodens? Immerhin sind Organismen wie Regenwürmer, Käfer, Spinnen, Milben, Rädertierchen und Fadenwürmer für die Fruchtbarkeit und Gesundheit der Böden essenziell. Erst sie sorgen dafür, dass neuer Humus entsteht, Böden durchlüftet und mit organischen Nährstoffen versorgt werden. Das wiederum ermöglicht das Wachstum von Pflanzen und bildet damit die Grundlage für die Vegetation und die Nahrungsketten an Land. Letztlich ist der Zustand der Böden damit sogar entscheidend für das gesamte Erdsystem.
Aus diesem Grund haben nun Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin um Martin Kaupenjohann im Rahme des BMBF-Projekts ENSURE die bisher weltweit zum Thema Mikroplastik und Bodenorganismen erschienenen Studien ausgewertet und so den Stand des Wissens zum Einfluss der Kunststoffpartikel auf das Bodenleben ermittelt. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf vier Kategorien: Erstens: Verteilen die Organismen das Mikroplastik im Boden, ohne es aufzunehmen? Zweitens: Fressen die Organismen das Mikroplastik? Drittens: Wird es im Organismus angereichert? Und viertens: Gibt es negative Effekte auf den Metabolismus, also den Stoffwechsel der Organismen?
Störungen in Stoffwechsel, Wachstum und Fortpflanzung
Das Ergebnis: “Die Frage, ob das Mikroplastik von den Bodenlebewesen im Boden verteilt wird, können wir eindeutig mit Ja beantworten”, berichtet TU-Bodenkundler Frederick Büks. “Ebenso die Frage, ob die Organismen das Mikroplastik fressen.” Ob sich das Mikroplastik anschließend auch im Organismus anreichert, hängt von der Größe der Partikel und auch vom jeweiligen Organismus ab, wie die Auswertung ergab. “Bei Regenwürmern zum Beispiel bleiben Partikel, die größer sind als 50 Mikrometer im Magen und Darm. Kleinere Partikel werden ausgeschieden. Der Wattwurm dagegen reichert vor allem eher Teilchen im Körper an, die kleiner sind als 30 Mikrometer. 0,5 Millimeter große und größere nimmt er gar nicht erst auf“, erläutert Büks.




