Bei der Lösung moralischer Fragestellungen spielen Gefühle, neben der Vernunft, offensichtlich eine unterschiedlich große Rolle. Indem sie die Aktivität von “gefühlsbetonten” Hinarealen auf Magnetresonanzbildern sichtbar machten, sind Wissenschaftler der Universität Princeton der Frage nachgegangen, inwieweit Gefühle moralische Entscheidungen beeinflussen. Zu welchem Anteil Probleme emotional beziehungsweise “vernünftig” gelöst werden, hängt dabei vor allem von der Art der Fragestellung ab, berichten sie im Fachmagazin Science.
Konfrontiert man Menschen mit einer hypothetischen Situation, in der sie angesichts eines moralischen Dilemmas eine Entscheidung treffen müssen, entscheiden sie sich normalerweise für den gleichen Ausweg. Geht es beispielsweise darum, durch den Tod eines Menschen fünf andere zu retten, entscheiden sich die meisten Menschen für den Tod des einzelnen, wenn sie dafür lediglich einen Schalter umlegen müssen, der zum Beispiel einen Zug von einem Gleis auf das andere umlenkt. Wenn die Rettung der Gruppe allerdings nur zu erreichen ist, indem der einzelne Mensch eigenhändig von einer Brücke gestürzt wird, beispielsweise um damit den Zug zu blockieren, entscheidet sich fast jeder gegen eine solche Handlung.
Wie die Hirnforscher nun zeigen konnten, wird das Dilemma in den beiden Fällen auf unterschiedliche Weise gelöst. Während die Entscheidung “passiv” einen Schalter umzulegen offenbar reine Vernunftsache ist und die Gefühlszentren des Gehirns inaktiv bleiben, spielen bei dem Entschluss, den Menschen nicht in den Tod zu stürzen, Gefühle eine entscheidende Rolle.
Irina Lorenz-Meyer





