
Große Frachter transportieren fast 90 Prozent der internationalen Güter über das Meer. Das ist für den globalen Handel unerlässlich, bedroht jedoch marine Ökosysteme. Unter anderem sterben jährlich Tausende von Walen, weil sie mit großen Schiffen kollidieren. Die Zusammenstöße mit Schiffen gelten als eine der häufigsten Todesursachen für große Walarten wie Blau-, Finn-, Buckel- und Pottwale. Einige der Wale nähern sich den Schiffen dabei aus Neugier. Andere bemerken die schnellen Schiffe nicht rechtzeitig, weil sie gerade schlafen oder tauchen. Zum Ausweichen ist es dann oft zu spät. Der Unterwasserlärm, den besonders schnelle Schiffe erzeugen, irritiert die Meeressäuger zusätzlich und scheucht sie häufig auf.
Karte: Wo kollidieren Wale am wahrscheinlichsten mit Schiffen?
Bisher haben Forschende lediglich untersucht, wie groß die Risiken von Wal-Schiff-Kollisionen regional sind. Globale Datenerhebungen fehlten bisher. „In unserer Studie versuchen wir nun, das Risiko von Zusammenstößen auf einem globalen Level zu verstehen“, erklärt Anna Nisi von der University of Washington. Dafür ermittelte das Team um Nisi, in welchen der weltweiten Gewässer sich Blau-, Finn-, Buckel- und Pottwale sowie Frachter aufhalten. Dafür sammelten die Forschenden die Geodaten von über 435 000 privat oder behördlich gemeldeten Walsichtungen und kombinierten diese mit den Lokalisierungsdaten von 176 000 Frachtschiffen. Aus diesen Informationen erstellten sie eine Karte, die anzeigt, wo sich die Aufenthaltsgebiete der Wale und die Routen der Schiffe überschneiden.
Das Ergebnis: In 91,5 Prozent der Meereszonen, in denen Blau-, Finn-, Buckel- und Pottwale leben, fressen oder sich bewegen, verkehren auch Frachtschiffe. Demnach kreuzen fast überall auf der Welt Schiffe den Kurs der Wale. Wenn der globale Handel in den nächsten Jahrzehnten weiterwächst, könnte das von Walen und Schiffen gemeinsam genutzte Gebiet in Zukunft noch größer werden, wie Seniorautorin Briana Abrahms von der University of Washington bemerkt. Die Meeresgebiete mit dem höchsten Kollisionsrisiko befinden sich vor den Küsten von Amerika, Südafrika und Teilen Asiens sowie im Mittelmeer. Insgesamt 95 Prozent dieser Flächen fallen in die sogenannte Wirtschaftszone der jeweiligen Küstenländer. „Das ist ermutigend.,. „Denn es bedeutet, dass die individuellen Länder die risikoreichsten Gebiete selbstständig schützen könnten“, erklärt Nisi.






