Im Sommer, wenn es warm und hell ist und viele Nährstoffe wie Phosphor oder Stickstoff unsere Gewässer belasten, vermehren sich Cyanobakterien hin und wieder schlagartig. Von außen sind solche „Blüten“ als großflächige, blaugrüne Teppiche in Flüssen und Seen zu erkennen. Doch die im Volksmund auch Blaualgen genannten Cyanobakterien sind nicht nur ein Ärgernis für Badegäste, sondern können auch weitreichende Folgen haben. Durch ihre Massenvermehrungen können sie sauerstoffarme Bedingungen oder sogar Giftstoffe erzeugen, die zum massenhaften Tod von Wassertieren und -pflanzen führen. Auch Trinkwasser lässt sich dann aus solchen Gewässern oft nicht mehr gewinnen.
Von Durchmischen bis Fressen
Doch trotz der Gefahren, die von Blaualgenblüten ausgehen, ist ihre Bekämpfung bislang nur bruchstückhaft erforscht. Um dennoch geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen zu können, haben Gewässerökologen um Ted Harris von der University of Kansas nun alle verfügbaren Erkenntnisse über die Eindämmung von Blaualgen in einer Übersichtsarbeit zusammengestellt. Dabei zeigte sich unter anderem, dass zumindest in tieferen Seen bereits eine künstliche Durchmischung der Wasserschichten gegen Algenblüten helfen kann. In flachen, nicht geschichteten Gewässern kann durch diese Maßnahme jedoch das genaue Gegenteil eintreten. Denn dort setzt die Durchmischung Phosphor aus den Sedimenten frei und liefert den Cyanobakterien sogar zusätzliche Nahrung, wie das Team erklärt.
Ein weiterer Ansatz besteht darin, die Blaualgen mit „biologischer Kriegsführung“ zu bekämpfen, wie Harris und seine Kollegen herausgefunden haben. Zum Beispiel, indem man gezielt natürliche Fressfeinde wie Wasserflöhe oder Muscheln ins Ökosystem einschleust. In einer Studie konnten etwa Dreikantmuscheln, die hierzulande allerdings als invasiv gelten, bestehende Algenblüten um bis zu 58 Prozent reduzieren, wie das Team berichtet. Doch auch bei dieser Methode bleiben Restrisiken. „Schließlich lässt sich nicht kontrollieren, welche Arten von Phytoplankton Wasserflöhe oder Muscheln fressen oder filtrieren“, sagt Koautor Hans-Peter Grossart vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Womöglich bedienen sich die Fressfeinde gar nicht an den Blaualgen, sondern stattdessen an anderen, nützlichen Kleinlebewesen.
Feine Abstimmung nötig
Wie sich eine Blaualgenblüte am besten bekämpfen lässt, ist zudem von Gewässer zu Gewässer verschieden, betonen die Ökologen. „Misserfolge sind häufig darauf zurückzuführen, dass die Komplexität des Themas unterschätzt wird, die Eigenschaften der verursachenden Cyanobakterien oder des Gewässertyps nicht berücksichtigt werden,“ erklärt Koautorin und IGB-Forscherin Mina Bizic. Die Effizienz ein und derselben Maßnahme könne so je nach Standort um bis zu 30 Prozent schwanken. Sind die Maßnahmen jedoch sinnvoll auf den Einsatzort abgestimmt, können sie eine Algenblüte theoretisch sogar restlos beseitigen, so die Forschenden.





