natur: Jetzt ist die Sonne da, die in der ersten Jahreshälfte 2013 fehlte. Dafür gab es Extreme: lange ungewöhnliche Kälte, starker Regen mit Überschwemmungen und dazwischen Hitzetage. Was ist los mit dem Wetter? Und wie passt das alles mit dem Klimawandel zusammen?
Helmut Wolf: Wetter und Klima sind vollkommen unterschiedliche Dinge, die häufig durcheinander geworfen werden. Eine Definition ist, dass Klima die Statistik des Wetters ist. Wenn wir zum Beispiel die Mitteltemperatur des Monats März messen und diesen Vorgang sehr häufig, also über zwanzig, dreißig Jahre lang wiederholen, dann können wir sagen: Diese Mitteltemperatur ist das typische März-Klima. Die Phänomene, die wir im Augenblick erleben, würde ich eher dem Wetter zurechnen. Das Wetter meinte es in diesem Frühjahr nicht besonders gut mit uns. Es gibt die Hypothese, dass die verminderte Eisbedeckung in der Arktis eine Ursache dafür sein könnte. Dadurch haben sich möglicherweise großräumige Strömungssysteme umgestellt. Und so kann es eben dazu kommen, dass wir – wie im Frühjahr geschehen in Finnland oder Schweden höhere oder mindestens gleich hohe Temperaturen haben wie in Spanien.
Welche Klimaveränderungen der letzten zehn Jahre sind denn für uns Menschen auch tatsächlich fühlbar?
Das Fühlen ist problematisch. Dazu gibt es sogar Untersuchungen, zum Beispiel vom Sozialpsychologen Harald Welzer, der die Problematik der “Shifting Baselines” (zu Deutsch etwa: beweglicher Orientierungsrahmen) beschrieben hat. Das bezeichnet eine Eigenschaft des Menschen, sich an veränderte Rahmenbedingungen zu gewöhnen. Man gewöhnt sich an wärmere Sommer, genauso wie an das Gegenteil. Deswegen ist das subjektive Empfinden immer problematisch. Besser ist es, sich in dieser Hinsicht auf objektive Messungen zu verlassen, was allerdings den Menschen nicht so viel sagt. Deswegen kann es sein, dass in bestimmten Regionen, wo der Klimawandel einmal Pause macht, dann Zweifel am Klimawandel selbst aufkommen. Was aber völlig unsinnig ist. Der Klimawandel ist wissenschaftlich erwiesen.
Wie kann man Menschen denn trotzdem klarmachen, dass es sie persönlich betrifft?
Das ist ein schwieriges Problem, mit dem wir uns im Fachzentrum Klimawandel Hessen schon häufig beschäftigt haben. Uns ist aufgefallen, dass solche Themen in der Presse häufig Hochs und Tiefs erleben. Ein besonderes Hoch war im Jahr 2007, zu der Zeit, als der vierte Sachstandsbericht des sogenannten Weltklimarates IPCC herauskam. Dieser ist in der Presse auf sehr große Resonanz gestoßen. Aber ich denke eigentlich, dass so ein Thema dauernd in der öffentlichen Wahrnehmung gehalten werden muss. Deshalb haben wir uns bei unserer Arbeit auf die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels konzentriert. Dieses Thema lässt sich einfacher vermitteln.





