Welche Klimaveränderungen der letzten zehn Jahre sind denn für uns Menschen auch tatsächlich fühlbar?
Das Fühlen ist problematisch. Dazu gibt es sogar Untersuchungen, zum Beispiel vom Sozialpsychologen Harald Welzer, der die Problematik der “Shifting Baselines” (zu Deutsch etwa: beweglicher Orientierungsrahmen) beschrieben hat. Das bezeichnet eine Eigenschaft des Menschen, sich an veränderte Rahmenbedingungen zu gewöhnen. Man gewöhnt sich an wärmere Sommer, genauso wie an das Gegenteil. Deswegen ist das subjektive Empfinden immer problematisch. Besser ist es, sich in dieser Hinsicht auf objektive Messungen zu verlassen, was allerdings den Menschen nicht so viel sagt. Deswegen kann es sein, dass in bestimmten Regionen, wo der Klimawandel einmal Pause macht, dann Zweifel am Klimawandel selbst aufkommen. Was aber völlig unsinnig ist. Der Klimawandel ist wissenschaftlich erwiesen.
Wie kann man Menschen denn trotzdem klarmachen, dass es sie persönlich betrifft?
Das ist ein schwieriges Problem, mit dem wir uns im Fachzentrum Klimawandel Hessen schon häufig beschäftigt haben. Uns ist aufgefallen, dass solche Themen in der Presse häufig Hochs und Tiefs erleben. Ein besonderes Hoch war im Jahr 2007, zu der Zeit, als der vierte Sachstandsbericht des sogenannten Weltklimarates IPCC herauskam. Dieser ist in der Presse auf sehr große Resonanz gestoßen. Aber ich denke eigentlich, dass so ein Thema dauernd in der öffentlichen Wahrnehmung gehalten werden muss. Deshalb haben wir uns bei unserer Arbeit auf die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels konzentriert. Dieses Thema lässt sich einfacher vermitteln.
Gibt es daraus schon Erkenntnisse?
Es gab unter anderem das Beispiel des Hitzesommers 2003. Wobei man den in stärkerer Erinnerung hat als den Sommer 2010, der in Europa wesentlich extremer war, allerdings eher die östlichen Teile betroffen hat. 2003 hingegen lag das Hoch so, dass wir besonders betroffen waren. Insgesamt gab es damals in Europa zwischen 30.000 und 60.000 Todesopfer, die dieser Hitzewelle zugeschrieben wurden. Die Angaben schwanken sehr, weil man dabei auf statistische Auswertungen angewiesen ist. Aber dennoch: Wenn man diese Zahlen ernst nimmt, müsste man die damalige Hitzewelle als größte Umweltkatastrophe in Europa seit den Zeiten der Pest bezeichnen.
Ein starke Botschaft!
Ja, aber selbst solche Dinge werden von unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern kaum noch wahrgenommen. Und vor allem nicht lange in Erinnerung behalten. Ein anderes Beispiel sind Zugbahnen von Tiefdruckgebieten. Besonders die so genannte 5B-Zugbahn, bei der sich das Tiefdruckgebiet über dem Mittelmeer noch gut mit Wasserdampf auffüllen kann, führt dann zu ergiebigen Niederschlägen. Das war bei der Elbe-Flut 2002 der Fall. Das diesjährige Hochwasser in Sachsen, Thüringen, Bayern und den östlichen angrenzenden Ländern ist hingegen auf ein großräumiges Tiefdruckgebiet zurückzuführen.


natur: Jetzt ist die Sonne da, die in der ersten Jahreshälfte 2013 fehlte. Dafür gab es Extreme: lange ungewöhnliche Kälte, starker Regen mit Überschwemmungen und dazwischen Hitzetage. Was ist los mit dem Wetter? Und wie passt das alles mit dem Klimawandel zusammen?



