In jedem Quadratkilometer Ozean schwimmen hunderttausende Teile Plastikmüll – mit tödlichen Konsequenzen für Meeresbewohner wie Schildkröten, Fische und Meeressäuger. Sie verwechseln die schillernden Plastikfetzen mit Beute und fressen sie. Da die Magensäure nicht stark genug ist, um das Plastik zu zersetzen, sammelt es sich im Laufe der Zeit im Verdauungstrakt an und sorgt so dafür, dass richtige Nahrung keinen Platz mehr findet. Die Tiere verhungern – oft qualvoll.
Dem Klang des Plastiks auf der Spur
Selbst die größten Meeresbewohner sind vor diesem Schicksal nicht gefeit. Im Magen gestrandeter Pottwale finden Wissenschaftler regelmäßig dutzende Kilogramm Plastikmüll – im Falle eines in Schottland gestrandeten Jungtiers sogar rund 100 Kilogramm. Anders als Schildkröten und Fische können die gigantischen Meeressäuger umhertreibende Plastiktüten und Co allerdings nicht optisch mit ihrer eigentlichen Nahrung verwechseln, denn Pottwale jagen per Echoortung in den dunklen Tiefen des Ozeans. Aber wie gelangt der Plastikmüll dann in so großen Mengen in ihren Magen?
Um das herauszufinden, haben Forschende um Greg Merrill von der Duke University in den USA nun in Experimenten analysiert, wie das Sonar von Pottwalen umhertreibendes Plastik wahrnimmt. Dafür sammelten sie Plastikabfälle, die typischerweise in den Mägen gestrandeter Wale zu finden sind, darunter Plastiktüten und Luftballons, und befestigten diese am Kiel eines Schiffes. Anschließend beschallten sie den Müll mit einem Sonartransponder, der nach demselben Prinzip funktioniert wie das Sonar von Pottwalen und anderen tief tauchenden Walarten.
Der Transponder sendet Schallwellen aus und analysiert, welche von umhertreibenden Gegenständen reflektiert und wieder zu ihm zurückgeworfen werden. Dabei entsteht für jeden Gegenstand eine charakteristische akustische Signatur und eine Art „Hörbild“ der Umgebung. Um die Signaturen von Plastikmüll und typischen Pottwal-Beutetieren miteinander zu vergleichen, richteten die Forschenden das Gerät auch auf tote Kalmare und auf Kalmarschnäbel aus.
Plastiktüten und Kalmare klingen ähnlich
Das Ergebnis: „100 Prozent des getesteten Plastikmülls haben entweder ähnliche oder stärkere akustische Zielstärken im Vergleich zu den Beutetieren der Wale“, berichten Merrill und sein Team. Für Pottwale sind eine Plastiktüte und ein Kalmar in den dunklen Tiefen des Ozeans also wahrscheinlich kaum voneinander zu unterscheiden. Sie klingen gleich, wenn sie Schallwellen reflektieren. Das erklärt auch, warum in den Mägen gestrandeter Pottwale häufig so große Mengen Plastikmüll stecken.
Wie aber ließe sich das verhindern? Vielleicht, indem man einige Kunststoffe so gestaltet, dass sie keine akustische Signatur mehr aufweisen? „Ich glaube nicht, dass das wirklich eine praktikable Option ist, denn wenn Fischernetze und Angelschnüre unsichtbar sind, dann sind das Dinge, in denen sich Wale auch verfangen können. Wir wollen also nicht, dass sie nicht in der Lage sind, diese Dinge zu identifizieren.“ Wenn sich die Plastikmengen im Ozean also nicht reduzieren, dann werden auch immer wieder Pottwale an gefressenem Kunststoff verenden.





