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Warum manche Spinnenmännchen nach dem Sex einen Rückwärtssalto machen
Biologie

Warum manche Spinnenmännchen nach dem Sex einen Rückwärtssalto machen

Ein Weibchen der Schwarzen Witwe (Latrodectus hasselti) und ihr sehr viel kleineres Männchen nach dem Paarungssalto. · Foto: © Jasmin Schreiber

Bei der Paarung vollführen männliche Rotrückenspinnen einen Salto in Richtung der Giftzähne ihrer viel größeren Partnerin und verengen gleichzeitig ihren Hinterleib. Damit wollen sie dem Tod bei der Paarung mit der „Schwarzen Witwe“ entgehen. Kreuzungsexperimente zeigen nun, welche genetische Basis dieses akrobatische Verhalten der Spinnenmännchen hat.
Autor
Paula Meister
17. September 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Biologie

Bei vielen Spinnenarten kann die Paarung für die Männchen tödlich enden, beispielsweise dann, wenn die Weibchen versuchen, ihren Partner während oder unmittelbar nach dem Akt zu fressen. Im Laufe der Evolution haben die Männchen daher unterschiedliche Strategien entwickelt, um die Paarung zu überleben oder ihre Fortpflanzungschancen zu erhöhen.

Ein Salto für bessere Befruchtung

Besonders ungewöhnlich ist das Verhalten der australischen Rotrückenspinne (Latrodectus hasselti), die auch oft als „Schwarze Witwe“ bezeichnet wird. Während der Kopulation vollführt das Männchen einen Rückwärtssalto und bewegt dabei seinen Hinterleib gezielt in Richtung der Giftzähne des Weibchens. Gleichzeitig verengt sich sein Hinterleib während der Paarung stark – möglicherweise um die Folgen des Bisses zu minimieren. Männchen, die durch diesen akrobatischen Trick die erste Begattung überleben, profitieren doppelt: Sie leben weiter und sie können sich ein zweites Mal mit dem Weibchen paaren. Das gibt ihnen die Chance, beide Samentaschen des Weibchens mit ihrem Sperma zu füllen und so alle Eier des Weibchens zu befruchten.

Bei der eng verwandten neuseeländischen Spinnenart Art Latrodectus katipo fehlt der Salto und die Weibchen zeigen keinen sexuellen Kannibalismus. Ein Forschungsteam um Kardelen Özgün Uludağ von der Universität Hamburg hat nun untersucht, auf welcher genetischen Grundlage diese Unterschiede beruhen und wie die beiden Verhaltensweisen vererbt werden. „Da sich die beiden Arten erst vor etwa 100.000 Jahren voneinander getrennt haben, bietet ihr unterschiedliches Paarungsverhalten eine Möglichkeit, die genetischen Grundlagen dieser Verhaltensmuster zu untersuchen“, sagt Uludağ.

Kreuzungsexperimente geben Aufschluss über die Vererbung

Die Forschenden vermuteten, dass der Salto und Verengung des Hinterleibs bei der Rotrückenspinne auf Gene zurückgehen, die beide auf dem X-Chromosom des Spinnenmännchens liegen und zusammen vererbt werden. Um das zu prüfen, führten Uludağ und sein Team Kreuzungsversuche mit beiden Spinnenarten durch: Sie paarten Weibchen von L. katipo mit Männchen von L. hasselti und anschließend die Hybrid-Weibchen erneut mit Männchen einer der beiden Arten. Die so entstandenen Männchen kreuzten sie mit L. katipo-Weibchen und beobachteten dann, ob die Tiere dabei einen Salto vollführen und ihren Hinterleib verengen. Anschließend schlossen die Forschenden aufgrund der Verteilung der Merkmale auf deren Vererbung.

Die Auswertung zeigte: Das trickreiche Verhalten der Rotrückenspinnen-Männchen geht entgegen der ursprünglichen Annahme nicht auf gekoppelte Gene zurück. „Fast die Hälfte der Männchen der dritten Generation vollführte ebenfalls Saltos, zeigte aber keine Verengung des Hinterleibs“, sagt Seniorautorin Jutta Schneider von der Universität Hamburg. Der Salto folgt offenbar einem vergleichsweise einfachen Erbgang über einen einzelnen Genort auf dem X-Chromosom. Die Verengung des Hinterleibs hat dagegen eine komplexere genetische Grundlage.

Salto und Verengung des Hinterleibs unabhängig voneinander

„Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die beiden Merkmale genetisch weitgehend unabhängig voneinander vererbt werden. Die für die Verhaltensweisen verantwortlichen genetischen Faktoren könnten daher entweder auf unterschiedlichen Chromosomen liegen oder auf demselben Chromosom so weit voneinander entfernt sein, dass sie bei der Vererbung häufig voneinander getrennt werden“, erklärt Schneider.

Die Studie zeigt, dass selbst komplexe Paarungsmerkmale wie der Salto in kurzer evolutionärer Zeit entstehen und auf einer einfachen genetischen Grundlage beruhen können. In weiteren Studien untersuchen die Forschenden nun, welche Gene daran beteiligt sind und wie sich die Merkmale entwickelt haben.

Quelle: Universität Hamburg. Fachartikel: Biology Letters. doi: 10.1098/rsbl.2026.0211

GenetikPaarungRotrückenspinneSchwarze WitweSpinnen
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