Vor vier Jahren legten die Vereinten Nationen 17 Ziele für mehr Nachhaltigkeit fest. Ob der Kampf gegen Hunger, effektiverer Klimaschutz oder ein nachhaltigerer Konsum – sie alle sollen dazu beitragen, die Welt bis 2030 besser zu machen. Die Vision der sogenannten Agenda 2030 klingt schön: eine Welt ohne Armut, in der die wachsende Weltbevölkerung langfristig gut leben kann. Doch wie realistisch ist das? Ein Team unabhängiger Forscher hat im Auftrag aller UNO-Staaten nun untersucht, wie weit die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele bereits gediehen ist. Ihr Fazit im ersten Weltnachhaltigkeitsbericht fällt ernüchternd aus: “Trotz aller Bemühungen in den vergangenen vier Jahren sind wir nicht auf dem richtigen Weg”, heißt es schon im Vorwort des Berichts.
Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass die Nachhaltigkeitsagenda nur durch einen schnellen und tiefgreifenden Wandel überhaupt noch umgesetzt werden kann. Denn wie der Report zeigt, ist die derzeitige Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik alles andere als nachhaltig. Soziale Ungleichheiten nehmen demnach eher zu als ab und es drohen unumkehrbare Umweltschäden aufzutreten, die das Wohl des Planeten und damit der Menschen gefährden – sei es durch die steigenden Treibhausgas-Emissionen oder die Umweltverschmutzung durch den Abbau von Rohstoffen. Das Verhältnis zwischen Mensch und Natur muss sich den Forschern zufolge daher grundlegend ändern und Ungleichheiten reduziert werden.
20 Punkte für Veränderung
Konkret nennt der Weltnachhaltigkeitsbericht 20 Punkte, die einerseits Missstände repräsentieren und andererseits Potenzial für den nötigen Wandel haben: “Wir haben Systeme definiert, die heute dysfunktional sind, und die gleichzeitig so potent sind, dass sie die ganze Welt in die richtige Richtung lenken können, wenn wir es schaffen, sie neu zu konfigurieren”, erklärt der Co-Leiter der Expertengruppe, Peter Messerli von der Universität Bern. Als besonders wichtige Schauplätze für Veränderungen beschreiben die Forscher die globalen Lebensmittel- und Energiesysteme. Die Schieflage im Bereich Ernährung wird durch einen Blick auf folgende Zahlen deutlich: Zwei Milliarden Menschen sind weltweit von Ernährungsunsicherheit bedroht und 820 Millionen unterernährt. Gleichzeitig sind aber auch zwei Milliarden Erwachsene und 40 Millionen Kinder im Alter unter fünf Jahren übergewichtig.
Der Bericht fordert, in Entwicklungsländern stärkere Sicherheitsnetze zu schaffen, um die Nahrungsversorgung für die dort lebenden Menschen zu gewährleisten. Gleichzeitig gelte es, in allen Teilen der Welt vermehrt auf Fehlernährung in all ihren Formen zu achten. Auch der Einfluss der Lebensmittelproduktion auf die Umwelt bedarf dem Report zufolge stärkerer Aufmerksamkeit. Ähnlich wie schon im kürzlich veröffentlichten IPCC-Bericht zu Landnutzung und Klima plädieren die Forscher in diesem Zusammenhang unter anderem für die Vermeidung von Lebensmittelabfällen und die Abkehr von tierischen Produkten als Hauptproteinquelle. Der umweltbelastende Verzehr von Rindfleisch müsse dramatisch reduziert werden.




