Wenn Schnee und Eis bei uns Einzug halten, müssen auch Tiere zusehen, wie sie bis zum Frühjahr überleben. Im Laufe der Zeit haben sie perfekt angepasste Strategien entwickelt, um die kalte Saison zu überstehen. Doch Klimawandel und veränderte Jahreszeiten bringen die eingespielten Abläufe der Tiere zunehmend durcheinander.
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Text: Monika Offenberger
Der junge Star kann seine Erregung kaum zügeln. An einem warmen Oktobertag sitzt er mit Hunderten seinesgleichen auf einer Stromleitung, bereit zum Abflug. Wie auf ein unsichtbares Zeichen hin steigen die Vögel in die Luft. Der Neuling hebt mit ihnen ab und lässt sich dabei von seinen Nachbarn leiten, die vor, über, unter und neben ihm fliegen. So bewegt sich der riesige Schwarm wie ein einziger Organismus vorwärts Richtung Mittelmeer. Dort werden die Singvögel den Winter überdauern und erst im März nach Deutschland zurückkehren, um zu brüten.
Zugvögel, Standvögel und Teilzieher
Nicht nur die Stare fliegen dem deutschen Winter davon. Etwa 120 weitere Vogelarten tun es ihnen gleich: So ziehen Singdrossel, Feldlerche und Hausrotschwanz, Kiebitz, Kranich und Kormoran – insgesamt mehr als 100 Millionen Individuen – im Herbst ebenfalls in die wärmeren Gegenden Europas. Und noch einmal doppelt so viele unserer Brutvögel, darunter Kuckuck und Nachtigall, Storch, Mehlschwalbe und Mauersegler, fliegen zum Überwintern Tausende Kilometer weit über den Äquator hinweg bis Südafrika oder Indien.
Die weite Reise führt sie über Gebirgszüge, übers Meer, über die Wüste. Sie zehrt an den Kräften und ist voller Gefahren; für viele der Zugvögel endet sie mit dem Tod. Doch die Tiere haben keine Wahl. In Deutschland, wo im Sommer an die 250 Vogelarten brüten und ihre Jungen aufziehen, reicht die Nahrung im Winter nicht für alle gefiederten Gesellen. Und so treibt nicht die Kälte gut die Hälfte der Brutvogelarten fort, sondern der Mangel an Futter. Zwar bietet der Herbst neben nicht abgeerntetem Obst vielerlei Wildfrüchte wie die von Vogelbeere und Schneeball, Pfaffenhütchen und Wacholder. Doch diese Leckerbissen sind bald aufgebraucht; dann bleiben nur noch Hagebutten und die eher unbeliebten Beeren von Liguster, Efeu und Weißdorn.
Sehr willkommen sind den Vögeln auch alle Arten von Körnern, die am Futterhäuschen angeboten werden. Dort finden sich nun viele hungrige Gäste ein: Neben den stets präsenten Amseln, Rotkehlchen und Kohlmeisen verlieren nun auch andere Standvögel wie Haubenmeise und Erlenzeisig ihre Scheu, die ansonsten ein eher verstecktes Leben führen. Weitere Besucher treibt der Hunger von weit her aus dem Norden und Osten Europas nach Süden bis in unsere Gärten, darunter Bergfink und Seidenschwanz. Denn die mit Abstand wichtigste Nahrungsquelle der meisten Vögel versiegt im Winter natürlicherweise nahezu: Insekten.
Insekten und anderes Kleingetier
Wo sind all die Schmetterlinge im Winter, wo die Bienen und Hummeln, Fliegen und Mücken, Heuschrecken und Libellen? Sie verschwinden natürlich nicht ganz. Doch auch sie finden in der kalten Jahreszeit nicht mehr genug zu fressen, weil ihre Futterpflanzen und Beutetiere sich ebenfalls rarmachen. Dazu kommt die Kälte, die den Sechsbeinern ihre Beweglichkeit raubt. Denn anders als die gleichwarmen Vögel und Säuger, die ihre Körpertemperatur regulieren können, sind die meisten Insekten stets so warm oder kalt wie ihre Umgebung. Ausnahmen bilden nur die großen Völker der Honigbienen und Ameisen, die ihre Nester durch Muskelzittern und andere Tricks warmhalten können. Wie schützen sich all die anderen Wechselwarmen, zu denen auch Weichtiere, Reptilien, Amphibien und Fische zählen, vor dem Erfrieren?
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Ihre Überlebenstricks sind verblüffend vielfältig. Allein die Schmetterlinge haben die unterschiedlichsten Strategien, um der Kälte zu trotzen. Einige fliegen wie die Zugvögel in wärmere Regionen: Der Admiral segelt im Herbst über die Alpen Richtung Mittelmeer, Distelfalter ziehen sogar nach Afrika und bis jenseits der Sahara, wie man kürzlich herausgefunden hat. Ihre Nachkommen wandern im Frühling wieder zurück. Nur wenige Arten – namentlich C-Falter, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge und Trauermantel – überwintern als ausgewachsene Schmetterlinge in frostfreien Baumhöhlen, Rindenspalten, Kellern oder Dachböden. Einzig der Zitronenfalter kann ungeschützt im Freien ausharren und überlebt selbst Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius. Möglich ist dies dank Biomolekülen, die in seinen Körperflüssigkeiten wie ein Gefrierschutzmittel wirken. Im Frühling, wenn die Tage wieder länger und wärmer werden, erwachen diese Schmetterlinge als Erste und stärken sich am Nektar der Frühlingsblumen.
Fast alle anderen Schmetterlinge erleben bei uns nur einen Sommer und sterben spätestens im Herbst. Ihre Nachkommen dagegen überdauern den Winter in verschiedenen Jugendstadien, zum Beispiel als Ei, wie die von Apollofalter und Silbergrünem Bläuling. Oder bereits als Raupe, wie im Falle des Kaisermantels: Schon im Sommer unterbrechen die frisch geschlüpften Räupchen ihre Entwicklung und schlafen viele Monate lang unter Flechten und Rindenschuppen, um erst im März weiterzuwachsen. Dagegen warten Kohlweißling, Landkärtchen und Schwalbenschwanz im Puppenstadium auf den Frühling, bevor sie ihre Verwandlung zum Falter abschließen. Auch viele weitere Insekten – darunter Heuschrecken und Grillen, Käfer, Wanzen und Zikaden – überdauern den Winter im Ei, als Larve oder Puppe. Verborgen unter Laub und Moos, in Fels- und Rindenritzen oder selbst gegrabenen Erdhöhlen, fallen sie in eine Kältestarre, aus der sie sich erst bei steigenden Temperaturen wieder lösen.
Weinbergschnecken vergraben sich im Boden, bevor sie sich tief in ihr Schneckenhaus zurückziehen – nicht ohne es zuvor sorgfältig mit einem Deckel aus Kalk zu verschließen, der sie vor dem schlimmsten Frost schützt; im Frühling wird die selbstgebaute Haustüre wieder abgestoßen und bei Kalkmangel zum Ausbau der Schale verzehrt und recycelt. Auch Reptilien und Amphibien stellen jegliche Bewegung ein, bis ihr Herz nur noch wenige Male pro Minute schlägt: Blindschleichen und Kreuzottern verharren oft fünf, Laubfrösche und Zauneidechsen sogar bis zu sechs Monate in einer Winterstarre. Dazu verkriechen sie sich unter Steinen und Wurzeln oder suchen Schutz in Erdhöhlen und verlassenen Mäusegängen.
Die Winterquartiere wollen dabei gut gewählt sein. Die optimale Temperatur liegt bei zwei bis fünf Grad Celsius. Denn bei Frost und Minusgraden würden ihre Bewohner erfrieren. Wärmer sollte es allerdings auch nicht sein, denn sonst verbrauchen die Schläfer zu viele Kalorien und halten nicht bis zum Frühling durch; zudem kann im Darm die Verdauung weiterlaufen und tödliche Fäulnisprozesse befeuern. Entscheidend ist auch der Wasserhaushalt. Ist der Unterschlupf zu feucht, droht lebensgefährlicher Pilzbefall. Ist er zu trocken, verlieren insbesondere Amphibien zu viel Wasser und sterben.
Überwintern im Wasser
Seefrösche und manche Molche zieht es deshalb zum Grund von Gewässern, wo sie wie Scheintote im Schlamm schlummern. Den wenigen Sauerstoff, den sie zum Überleben brauchen, nehmen sie über die Haut aus dem Wasser auf und müssen nicht wie im Sommer zum Luftholen auftauchen. Manche Insekten verbringen nicht nur den Winter, sondern die meiste Zeit ihres Lebens im Wasser. Dazu zählen Libellen sowie ein Heer aus Mücken, Eintags-, Köcher-, Schlamm- und Steinfliegen: Sie alle schlüpfen im Wasser als Larven oder Nymphen aus dem Ei und leben oft mehrere Jahre – und entsprechend viele Winter – in Flüssen, Teichen und Seen, bis sie sich an Land zu geflügelten Vollinsekten verwandeln. Dann bleiben ihnen meist nur wenige Sommertage oder -wochen, um sich zu paaren und eine neue Generation von Wasserwesen hervorzubringen. Die meisten beginnen ihr kurzes Luftleben genau dann, wenn unsere Brutvögel, gleich ob sie im Winter dageblieben oder als Zugvögel zurückgekehrt sind, dringend eiweißreiches Futter für ihre Jungen benötigen.
Neben Insektenlarven überwintern auch Süßwasserschnecken und -muscheln am Grund von Gewässern. Denn in der Tiefe gefriert das Wasser nicht, selbst wenn sich darüber eine dicke Eisschicht türmt. Diese einzigartige Eigenschaft des Wassers rettet beispielsweise den Fischen hierzulande im Winter das Leben: Die meisten Arten ziehen sich einfach in tiefere Wasserschichten zurück und halten sich dort ruhig. Denn je weniger sie sich bewegen, umso weniger Energie und Nahrung brauchen sie. Raubfische wie der Hecht, die auch im Winter jagen müssen, fressen nun dagegen besonders viel, um ihren Energiebedarf zu decken. Andere Räuber wie Forellen, Saiblinge und Quappen werden im kalten Wasser erst so richtig munter und laichen sogar im Winter: Letztere zum Beispiel bei zwei bis sechs Grad Celsius, da bei niedriger Wassertemperatur der Sauerstoffgehalt für die Eier optimal hoch ist.
Säugetierstrategien für den Winter
Für Säugetiere und die allermeisten Vögel ist das keine Option. Denn für sie ist es ja mit dem Gebären oder Eierlegen nicht getan. Vielmehr müssen sie ihren Nachwuchs viele Wochen oder gar Monate lang wärmen, füttern und beschützen. Dazu warten sie lieber das Ende des Winters ab. Manche Säuger legen zwischen Paarung und Gebärtermin eine lange Pause ein, in der sich die bereits befruchteten Eier zunächst nicht weiterentwickeln. Diese Keimruhe sorgt dafür, dass Rehkitze zum Beispiel erst im Mai zur Welt kommen – also gut neun Monate nach ihrer Zeugung im August. Ihre vom Winter ausgezehrten Mütter schöpfen aus den dann reichlich vorhandenen Kräutern und Knospen neue Kraft und bilden nahrhafte Milch zum Säugen ihrer Jungen. Dachs, Marder, Hermelin und Braunbär legen ebenfalls eine Keimruhe ein, um die anstrengende Jungenaufzucht in die warme Jahreszeit zu verschieben. Denn im Winter brauchen sie ihre ganze Kraft zum Überleben.
Das gelingt jedem auf seine Art. Rehe ernähren sich dann von Rinde, zarten Ästen und Baumknospen, Füchse halten sich mit ihrem extradichten Winterfell und buschigen Schwanz warm, Wildschweine zehren von ihrer dicken Speckschicht. Maulwurf, Wiesel und Waldspitzmaus sind im Winter ebenfalls aktiv. Um ihren Kalorienbedarf zu senken, lassen diese Arten ihren Körper inklusive Rückgrat, Hirn- und Schädelknochen sowie einige innere Organe auf vier Fünftel der Ausgangsgröße schrumpfen. Im Frühjahr kehrt sich der Prozess um, bis die kleinen Säuger im Sommer fast ihre ursprünglichen Maße erreicht haben. Maulwürfe ziehen sich bei starkem Frost in die tiefer gelegenen wärmeren Bodenschichten zurück. Um auch im Winter satt zu werden, horten die Buddler im Herbst in speziellen Kammern Hunderte Regenwürmer. Von diesen Fleischreserven können die Maulwürfe mehrere Wochen lang zehren. Bei einigen wurden schon Wurmvorräte mit einem Gesamtgewicht von 1,5 Kilogramm gefunden.
Dachs, Eichhörnchen und Waschbär halten es dagegen im Winter ruhiger. Um Energie zu sparen, bewegen sie sich so wenig wie möglich und verlangsamen Atmung und Herzschlag. Trotzdem halten sie ihre Körper warm – und müssen deshalb regelmäßig fressen. Dazu unterbrechen sie mehrmals ihre winterlichen Ruhephasen und suchen nach Nahrung. Eichhörnchen haben vorsorglich im Herbst Unmengen von Haselnüssen, Eicheln und Bucheckern vergraben, die sie im Winter selbst unter einer dicken Schneedecke zielsicher wiederfinden.
Zu den echten Winterschläfern zählen Hamster, Igel, Siebenschläfer und Murmeltiere. Letztere verbringen die Monate Oktober bis April oder Mai in selbst gegrabenen Höhlen mehrere Meter tief unter der Erde und zehren von der Speckschicht, die sie sich bis zum Herbst angefressen haben. Um sich gegenseitig zu wärmen, kuscheln sich alle Mitglieder einer Familie – also das Elternpaar samt Nachwuchs der letzten zwei bis drei Jahre – eng aneinander. Ähnlich halten es die Fledermäuse: Weil es hierzulande in der kalten Jahreszeit an Insekten mangelt, die die Hauptnahrungsquelle der fliegenden Säuger darstellen, halten auch sie einen richtigen Winterschlaf. Dazu hängen sie sich in frostfreien Höhlen, Stollen, Bunkern und Kellern an Wände und Decken und wärmen sich aneinander.
Igel verkriechen sich dagegen einzeln in ihren Schlafquartieren. Die Jungtiere überleben ihren ersten Winter daher nur, wenn sie bis zum Herbst mindestens 400–700 Gramm wiegen. Ausgewachsene Igel bringen es vor dem Winterschlaf auf bis zu 1,9 Kilogramm. Sobald die Temperaturen vier Tage in Folge nur noch einstellig sind, machen sich die Insektenfresser bereit für den langen Schlaf: Langsam kühlen ihre Körper von 37 auf fünf Grad Celsius ab. Um diese Körpertemperatur konstant zu halten, auch wenn es um sie herum noch kälter ist, verbrennen sie einen Teil ihrer Fettreserven.
Auch der Siebenschläfer hält ab Oktober mindestens sieben Monate lang allein Winterschlaf. Wie beim Igel sinkt seine Körpertemperatur nun auf fünf Grad Celsius, das Herz schlägt statt 450- nur noch 35-mal pro Minute, und die Atmung kann minutenlang aussetzen. Doch auch dafür verbrauchen die Bilche Kalorien. Um während des Winterschlafs nicht zu verhungern, müssen sie sich daher bis zum Herbst 60 bis 100 Gramm Fett anfressen – und ihr Gewicht damit fast verdoppeln. Das geriet ihnen einst zum Nachteil: Die Tiere galten den alten Römern, Galliern und Etruskern als nahrhafte Mahlzeit; teils wurden die Nager vor dem Verzehr zusätzlich mit Walnüssen, Kastanien und Eicheln gemästet. In Slowenien und Kroatien werden wilde Siebenschläfer bis heute als Delikatesse gehandelt, und nicht von ungefähr heißen sie auf Englisch „edible dormouse“, also „essbare Schlafmaus“. Bei uns sind Siebenschläfer zwar noch nicht gefährdet, dennoch stehen sie unter Schutz und dürfen nicht getötet werden.
Veränderte Klimabedingungen
Heute wird den Bilchen der Klimawandel zum Verhängnis. Weil es in der kalten Jahreszeit immer häufiger zu warme Tage gibt, unterbrechen Siebenschläfer mehrmals ihren Schlaf, verlassen ihr sicheres Quartier und verbrauchen dabei lebenswichtige Energiereserven. Sinken die Temperaturen wieder, laufen die Säuger Gefahr, zu erfrieren. Ähnlich ergeht es Igeln. Wenn die Außentemperatur im Winter über 15 Grad Celsius steigt, wird es für sie problematisch. Denn das ist eigentlich das Signal zum Aufwachen – auch wenn der Frühling, und damit ausreichend frische Nahrung, noch in weiter Ferne liegen.
Unsere gesamte Flora und Fauna ist von der Erderwärmung betroffen, weil sich damit auch die Jahreszeiten verschoben haben: Der Vorfrühling beginnt in Deutschland heute durchschnittlich 14 Tage früher als noch vor 40 Jahren, Märzenbecher blühen schon im Februar und Maiglöckchen im April. Entsprechend überleben mehr Vögel den Winter und beginnen früher mit dem Brutgeschäft. Die zurückkehrenden Zugvögel haben dann im Wettstreit um Nahrung und Nistplätze oft das Nachsehen. Wie heftig die Konkurrenz um diese Ressourcen sein kann, zeigen Studien über den Bruterfolg zweier Vogelarten, die beide gern in Nistkästen brüten. Häufig versuchen Trauerschnäpper, wenn sie im Frühling aus ihren Winterquartieren südlich der Sahara zurückkommen, Kästen zu kapern, die bereits von im Winter hiergebliebenen Kohlmeisen besetzt sind. Dabei lassen in manchen Regionen bis zu 9 Prozent aller männlichen Trauerschnäpper ihr Leben: Die Meisen fügen ihnen in den Nistkästen tödliche Kopfverletzungen zu und fressen oft auch ihr Gehirn. Seltener hat ein Trauerschnäpper Erfolg, vertreibt seinen Kontrahenten und überbaut dessen Nest samt eventuell darin liegenden Meisen-Eiern, welche in der Folge absterben.
Auch die Langstreckenzieher unter den Zugvögeln stellt der Klimawandel vor neue Herausforderungen, denn er macht sich überall bemerkbar: In den afrikanischen Winterquartieren steigen die Temperaturen, und an der Mittelmeerküste fällt weniger Regen, sodass dort wichtige Rastplätze nicht mehr genug Wasser führen. Wegen der fortschreitenden Wüstenbildung in Afrika müssen schon jetzt mehr als 80 Prozent der europäischen Vogelarten länger und weiter fliegen, um Überwinterungsgebiete mit genügend Nahrung zu finden. Modellrechnungen zufolge wird etwa die Nachtigall im Jahr 2070 gut 800 Kilometer weiter Richtung Süden ziehen müssen als heute. Mittelstreckenzieher wie die Mönchsgrasmücke haben ihre Flugrouten und Winterquartiere längst angepasst: Statt wie einst nach Spanien und Nordafrika ziehen die meisten Vögel heute nur noch nach Großbritannien, wo es inzwischen mild genug zum Überwintern ist. Andere Arten lassen das Ziehen ganz sein. So werden in Zukunft wohl immer mehr Stare den Winter in Deutschland verbringen – und niemals das Mittelmeer sehen. //
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