Die Idee klingt eigentlich gut: Ein Mosaik von geschützten Wäldern und Mooren, Seen, Flüssen und anderen Lebensräumen soll den bedrohten Pflanzen und Tieren Europas eine Zuflucht bieten. Schon seit 1992 ist die EU dabei, dieses “Natura 2000” genannte Rettungsnetz aus Schutzgebieten aufzubauen. Mittlerweile umfasst es schon mehr als 18 Prozent der Landoberfläche der EU und gehört zu den wichtigsten Bausteinen des europäischen Naturschutzes. Aber wie effektiv ist es eigentlich? Kann es den grassierenden Artenschwund tatsächlich aufhalten?
Bundesweite Tagfalter-Volkszählung
Diese Frage haben nun Martin Musche vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle und seine Kollegen am Beispiel der Tagfalter untersucht. Dabei ist es kein Zufall, dass die Forscher ausgerechnet diese Tiergruppe untersuchten: Zum einen gibt es zahlreiche Tagfalter, die ganz eigene Ansprüche an ihren Lebensraum stellen und damit stellvertretend für viele andere Arten stehen. Deshalb gelten sie als gute Indikatoren für den Zustand einer Landschaft. Zum anderen spielen sie als Bestäuber, Pflanzenfresser und Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere eine wichtige Rolle im Ökosystem.
Vor allem aber sind die Vorkommen von Tagfaltern vergleichsweise gut untersucht. Schließlich handelt es sich um auffällige Insekten, von denen viele auch für Laien gut zu unterscheiden sind. Schon seit 2005 koordiniert das UFZ deshalb ein Bürgerforschungsprojekt, bei dem schon seit acht Jahren Freiwillige ungefähr 300 Zähl-Strecken in ganz Deutschland überwachen. Für ihren Natura-2000-Check haben die Forscher 245 davon ausgewählt, etwa 28 Prozent davon liegen innerhalb von Natura-2000-Gebieten, der Rest außerhalb. So konnten die Wissenschaftler mit analysieren, ob der Schutzstatus des Lebensraums für die insgesamt 122 erfassten Falter-Arten einen Unterschied macht.
Mehr Schmetterlinge als außerhalb…
Das Ergebnis: Auf den ersten Blick scheinen die Schutzgebiete die erhoffte Schutzwirkung zu haben: Außerhalb der Refugien haben die Schmetterlingsfahnder im Schnitt 18 Arten gezählt, innerhalb waren es dagegen 21. “Das liegt nicht daran, dass die Lebensräume in den Natura-2000-Gebieten generell besser für Tagfalter geeignet wären”, erklärt Elisabeth Kühn vom UFZ. “Sie sind möglicherweise nur in besserem Zustand.” Das zeigt sich auch an der unmittelbaren Umgebung: Je näher ein Transekt an einem solchen Refugium liegt, umso höher ist auch seine Artenzahl.
Offenbar wirken diese Lebensräume wie Falter-Quellen, aus denen die Tiere auch ins Umland flattern. Und oft sind die eigentlichen Schutzgebiete auch nur die wertvollsten Bereiche in einer insgesamt vielfältigen Landschaft. Das alles klingt nach einem durchaus positiven Befund. “Tatsächlich sprechen diese Ergebnisse dafür, dass die Natura-2000-Flächen gut ausgewählt sind”, betont Kühn. Sie stellen offenbar tatsächlich einen guten Querschnitt von besonders wertvollen Flächen unter Schutz.




