Es hat alle tierischen Promis Afrikas zu bieten: Das grenzübergreifende, 40.000 Quadratkilometer große Serengeti-Mara-Ökosystem ist berühmt für seine Artenvielfalt und die beeindruckenden Tierwanderungen: Rund zwei Millionen Tiere, vor allem Gnus, Zebras und Gazellen, folgen hier jedes Jahr dem Regen von der südlichen Serengeti in Tansania gen Norden in das kenianische Maasai Mara Reservat. Die großen Nationalparks der Region sollen den Tieren Schutz bieten und das Überleben des Ökosystems langfristig sichern. Inwieweit dies gelingt, haben nun internationale Forscher durch die Auswertungen umfangreicher Daten aus den letzten 40 Jahren untersucht. Dazu gehören detaillierte Untersuchungsergebnisse der Wildtierpopulationen und ökologische Faktoren sowie Schätzungen zu Änderungen der Bevölkerungsdichte und der Landnutzung, einschließlich der Entwicklung der Nutztierbestände.
Wie die Forscher berichten, zeichnen sich in ihren Daten fatale Trends ab. Was die Tierbestände betrifft, ist ein deutlicher Schwund zu verzeichnen: Die Populationen der 15 häufigsten Wildtierarten in Maasai Mara sind demnach seit 1977 zwischen 40 und 93 Prozent zurückgegangen. Wie die Forscher erklären, sind die Entwicklungen in den sogenannten Pufferzonen rund um die Kernbereiche der Schutzgebiete dabei besonders problematisch: „Diese Zonen werden von Hirten und den Wildtieren gemeinsam genutzt“, erklärt Co-Autor Joseph Ogutu von der Universität Hohenheim. „Doch in den letzten Jahren war das Bevölkerungswachstum in diesen Zonen sehr hoch. Damit stieg auch die Zahl der Schafe, Ziegen und Rinder an.“
Der Druck steigt bedrohlich
Die Hirten dringen mit ihren Vieherden nun immer weiter in die Schutzzonen vor, berichten die Forscher. „Wir haben Luft- und Satellitenaufnahmen ausgewertet und erkannt, dass mittlerweile die Vegetation auf den äußersten sieben Kilometern der Schutzzonen weniger grün ist als früher. Außerdem erkennt man jetzt ein Netz von Trittpfaden der Weidetiere, das in die Schutzzonen führt“, sagt Ogutu.
Diese Entwicklung hat Folgen: Die menschlichen Aktivitäten in den Randzonen treiben die Wildtiere immer tiefer in die Kernbereiche hinein, berichten die Forscher. Dadurch verarmen dort die stark beanspruchten Flächen: „Die Böden speichern weniger Kohlenstoff, ein Zeichen dafür, dass Humusgehalt und Bodenfruchtbarkeit zurückgehen“, sagt Ogutu. Die Produktivität des Weidelandes lässt dadurch nach. Auch ein weiterer Aspekt kommt hinzu: Feuer ist eigentlich ein natürliches und erneuerndes Element dieses Ökosystems. „Wenn aber das Gras zu stark abgeweidet wird, ist einem Feuer quasi die Nahrung entzogen. Feuer ist jedoch eines der prägenden Elemente dieses Ökosystems“, sagt Ogutu.




