Debatten über Sterbehilfe sind nach Ansicht von Schmerzexperten unnötig. Fast alle Patienten, die unter unerträglichen Schmerzen litten, könnten behandelt werden, sagte der Tagungsleiter des 12. Deutschen Schmerztags, Gerhard Müller-Schwefe in einem Gespräch mit der dpa. “Dass die Euthanasie-Debatte immer wieder aufflammt, zeigt vor allem eines: Die Unkenntnis über Schmerztherapie.”
Das Parlament der Niederlande hatte im November Ärzten erlaubt, aktive Sterbehilfe zu leisten, wenn Kranke “unerträglich leiden und keine Aussicht auf Heilung” besteht. In Deutschland hatte diese Entscheidung erneut eine heftige Debatte über Euthanasie ausgelöst.
Wer Euthanasie befürwortet, geht nach Darstellung Müller-Schwefes davon aus, dass Tötung die einzige Alternative zu qualvollem Leiden ist. In Holland begründeten Mediziner ihre Sterbehilfe in 75 Prozent der Fälle damit, dass eine Linderung der Schmerzen nicht mehr möglich sei. “Wären Ärzte mit den Methoden der Schmerzmedizin besser vertraut, wären die Rufe nach aktiver Sterbehilfe überflüssig”, entgegnete Müller-Schwefe und forderte “Therapie statt Tötung.”
Die Schmerztherapie kommt nach Ansicht des Experten in der medizinischen Ausbildung viel zu kurz. “Das hat zur Folge, dass Ärzte nur auf Patienten mit akuten Schmerzen vorbereitet sind, nicht auf solche mit chronischen Schmerzen.” Schmerz sei eine eigenständige Krankheit, die zurückbleiben könne, auch auch wenn die akute Krankheit geheilt sei. Viele Mediziner wimmelten diese Patienten mit der Botschaft ab, es handle sich um ein psychisches Problem.
Dazu kommt laut Müller-Schwefe, dass viele Mediziner Vorbehalte haben gegen hoch wirksame Opiate, weil sie glauben, sie machten süchtig. Andere fürchteten, dass die chronisch Kranken ihr Arzneimittel-Budget zu sehr belasten. “Tatsächlich sind ältere, chronisch kranke Menschen die ersten, die durch die Budgets unter die Räder kommen.”
dpa





