Durch den Klimawandel wird es vielerorts trockener und die Ressource Wasser knapp - die Wasserstände von Flüssen, Seen und dem Grundwasser sinken. Auch bei uns in Deutschland lassen wiederkehrende Hitzewellen die Grundwasserpegel sinken. Gleichzeitig benötigen Haushalte und Landwirtschaft in solchen Phasen meist besonders viel Wasser. Vor diesem Hintergrund rückt Regen als alternative Wasserressource zunehmend in den Fokus. Er könnte gesammelt und überall dort genutzt werden, wo Trinkwasser zu schade und nicht unbedingt nötig ist, beispielsweise für Klospülung und Wäschewaschen im Haushalt.
Berlin, Köln und München als Fallbeispiele
Aber wie realistisch ist es, eine Teil des Wasserbedarfs in Deutschland mithilfe von Regenwasser zu decken oder zumindest größere Mengen Trinkwasser einzusparen? Das haben nun Jutta Niederste-Hollenberg und ihre Kollegen vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Umweltbundesamts genauer untersucht. In ihrer Studie analysierten sie die ökologischen, hygienischen, wirtschaftlichen, sozialen und technischen Voraussetzungen und Effekte der Regenwassernutzung in Langzeitsimulationen. Dabei testeten sie Szenarien für verschiedene Bebauungsdichten in Berlin, Köln und München. Diese Städte stehen beispielhaft für Regionen mit niedrigen, mittleren und hohen Regenmengen.
Das Ergebnis: Bei lockerer Bebauung, beispielsweise durch Einfamilienhäuser, kann das Sammeln von Regenwasser den Trinkwasserverbrauch um rund ein Drittel verringern. Das Regenwasser könnte dort rund 90 Prozent des Wasser ersetzen, das keine Trinkwasserqualität haben muss – also beispielsweise für die Toilette, das Geschirrspülen oder Wäschewaschen. Auch in Gewerbegebieten kann dank der großen Dachflächen von Gewerbebetrieben mehr Regenwasser gesammelt werden, als die Belegschaft benötigt. Dadurch gibt es dort große, auch finanziell lohnende Nutzungspotenziale für Regenwasser, etwa zur Kühlung, für die Bewässerung von Grünanlagen oder als Produktionswasser.
„Unter den verschiedenen in Deutschland herrschenden Klimaverhältnissen kann bei Einfamilienhäusern und Gewerbegebieten nahezu der gesamte leicht ersetzbare Trinkwasseranteil durch Regenwasser ersetzt werden“, berichtet das Team.
Lohnend auch in dicht bebauten Stadtvierteln
In dicht bebauten Wohnquartieren ist das Einsparpotenzial in absoluten Mengen sogar noch höher. Weil dort große Dachflächen für die Sammlung von Regenwasser genutzt werden können, ist die Menge des nutzbaren Regenwassers pro Hektar am höchsten. Allerdings leben dort auch mehr Menschen auf kleinerem Raum, so dass die Regenwassermenge nicht ausreicht, um den Bedarf aller Bewohner zu decken. „Die in der Simulation eingesparte Menge an Trinkwasser liegt bei dichter Bebauung zwischen 920 Kubikmetern pro Hektar in Berlin und 3845 Kubikmetern pro Hektar in München“, berichten Niederste-Hollenberg und ihre Kollegen. In Berlin könnten dadurch in dicht besiedelten Vierteln rund 40 Prozent des Betriebswassers durch Regenwasser gedeckt werden. Im niederschlagsreicheren München wären es sogar 70 Prozent.
Wie wirtschaftlich dies ist, variiert allerdings je nach Region, vor allem wegen unterschiedlicher Wasserpreise, Abwassergebühren und möglicher Vergünstigungen beim Niederschlagswasserentgelt, wie die Forschenden erklären. So könnten Wirtschaftlichkeit und ökologische Vorteile beispielsweise steigen, wenn die Regenwassernutzung auf Quartiersebene ausgeweitet und mit blau-grünen Infrastrukturen in Städten kombiniert wird. Gleichzeitig kann das Zwischenspeichern von Regenwasser aber auch dazu beitragen, Abflussspitzen abzufedern und so das Kanalsystem zu entlasten.
„Wichtiger Baustein eines integrierten Wassermanagements“
Nach Ansicht von Niederste-Hollenberg und ihrem Team kann es sich demnach durchaus lohnen, auch in Großstädten Regenwasser zu sammeln und als Brauchwasser zu nutzen. „Betriebs- und Regenwassernutzung kann als ein wichtiger Baustein eines integrierten Wassermanagements betrachtet werden, der zur Schonung von Süßwasserressourcen beiträgt“, betonen die Forschenden. „Sie kann einen Beitrag zur Entlastung von Kanalisationen und der Förderung von Stadtgrün leisten und insgesamt zu einer resilienteren städtischen Infrastruktur und einem besseren Mikroklima beitragen.“
Insbesondere bei Neubauten halten dies die Forschenden daher für sinnvoll, wenn die Regenwassernutzung schon von Anfang an mit einbezogen und geplant wird. Sie sollte in Kombination mit anderen Maßnahmen wie Rückhalt, Versickerung, Verdunstung und der Nutzung weiterer Wasserressourcen mitgedacht werden. „Vorgaben von Kommunen können strategische Ziele vorantreiben. Zum Beispiel in kommunalen Satzungen, die eine Begrenzung der Regenwasserableitungen von Grundstücken oder aus Quartieren vorsehen“, so das Team.
Quelle: Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI); Studie: Vergleichende Bewertung verschiedener Maßnahmen der Regenwassernutzung in Haushalten und Quartieren





