Auch mehrere Jahre nach den Bombardierungen durch Nato-Truppen in Serbien leiden viele Menschen noch unter psychischen Problemen. Dabei sind insbesondere Flüchtlinge und Menschen, die in abgelegenen Gegenden wohnen, betroffen. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Gesundheitsstudie, die amerikanische und serbische Mediziner in der Fachzeitschrift BMC Medicine veröffentlichen (Ausgabe 2, 23).
Die Forscher befragten von Juli bis August 2002 insgesamt 562 Patienten, die die Notfallstationen in Belgrad und Laplje Selo, einer serbischen Enklave im Kosovo, aufsuchten. Teilnehmen durften nur Personen, die nicht akut unter lebensbedrohlichen Krankheiten litten. Die Patienten mussten in Fragebögen angeben, ob sie traumatische Situationen erlebt hatten und inwieweit bei ihnen Symptome von Depression und Posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD) vorlagen.
Fast die Hälfte der Befragten litt unter Symptomen von Depression, mehr als ein Achtel zeigte Symptome einer PTSD, und bei 12 Prozent lagen Hinweise auf beide Störungsbilder vor. Ältere und arbeitslose Patienten sowie Personen mit geringer sozialer Unterstützung litten besonders häufig an Depressionen. Die Wahrscheinlichkeit einer Posttraumatischen Belastungsstörung war bei Flüchtlingen und bei Einwohnern der abgelegenen Enklave Laplje Selo erhöht.
Die Studie überschätze zwar vermutlich die Häufigkeit psychischer Gesundheitsprobleme in Serbien, da Patienten von Notfallstationen häufiger unter solchen Beschwerden leiden als der Durchschnitt der Bevölkerung. Doch die Untersuchung mache deutlich, dass Beeinträchtigungen der mentalen Gesundheit auch Jahre nach einem Krieg immer noch eine bedeutsame Rolle spielen, sagt William Fernandez, einer der Studienautoren. “Daher sollten die Gesundheitseinrichtungen krisengeschüttelter Länder mehr darauf achten, solche Personen mithilfe von Screeningverfahren zu finden und anschließend an ambulante Behandlungsdienste zu vermitteln.”
Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann nach schweren traumatischen Erlebnissen entstehen. Sie ist gekennzeichnet durch wiederkehrende intensive Erinnerungen an das traumatische Ereignis, die Vermeidung von Reizen, die mit dem Traum zusammenhängen, und eine körperliche und psychische Übererregtheit.
ddp/bdw ? Christine Amrhein





