Wissenschaftler der University of Chicago haben erstmals entdeckt, dass flüchtige “Chemosignale” einen messbaren Einfluss auf den Stoffwechsel des Gehirns nehmen. Frauen reagierten auf ein männliches Steroid mit gesteigerter Aktivität im Geruchszentrum des Gehirns. Außerdem wurden Regionen für Sehen, Gefühle und Aufmerksamkeit angeregt, wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift NeuroReport berichten.
Das von Martha McClintock und Suma Jacob geführte Wissenschaftlerteam konfrontierte zehn Frauen im Alter von 20 bis 35 Jahren mit dem männlichen Steroid Androstadienon, das normalerweise unbemerkt aus männlichen Haaren, Schweiß, Samen und Blut ausdünstet. Im Frauen, die der flüchtigen Substanz ausgesetzt waren, reagierten mit gesteigerter Gehirnaktivität in vielen sensorischen Zentren.
Bisher standen die so genannten Pheromone, beziehungsweise die von ihnen ausgehende Wirkung auf Menschen, eher im wissenschaftlichen Abseits. Die Ergebnisse von McClintock legen aber nahe, dass die chemischen Signale viel einflussreicher sind als bislang angenommen. Die weitverbreiteten neuronalen Effekte der untersuchten Substanz erhöhen die Möglichkeit, dass sich auch andere Geruchssignale auf das menschliche Gehirn auswirken. Sogar, wenn sie in sehr geringen Konzentrationen vorliegen, die eigentlich gar nicht mehr messbar sind.
Dass die Pheromone auch einen deutlichen Einfluss auf das Gefühlszentrum im Gehirn ausüben, könnte auch den Erfolg so mancher künstlicher Duftstoffe erklären. Denn bei der Herstellung von Parfüm setzen viele Produzenten schon lange auf die männliche Schweißnote und versetzen ihre Wässerchen mit dem anregenden männlichen Steroid Androstadienon.
Dr. Dagmar Knopf





