Die allerersten Nistkästen waren noch nicht zum Schutz von Vögeln gedacht: Ab dem 16. Jahrhundert nutzten Menschen sogenannte „Starentöpfe“, um aus den so gefangenen Jungtieren Starensuppe zu kochen. Erst im frühen 19. Jahrhundert fertigte der österreichische Pfarrer Johann Babtist Hofinger erste Nistkästen an, die nicht der Kulinarik dienten, sondern der Insekten-Schädlingsbekämpfung dienen sollten. Die brütenden Vögel sollten Insekten um Obstbäume herum fressen, um das Obst so vor Schäden zu bewahren. Heute dienen Nistkästen vor allem dem Schutz der Vögel, da mit der gerade in der Stadt und in stark vom Menschen geprägten Landschaften natürliche Nistmöglichkeiten für Vögel wie Baumhöhlen oder Totholz verloren gehen.
Welche Vögel nutzen Nistkästen?
Nistkästen werden von Vogelarten genutzt, die normalerweise in Baumhöhlen brüten. Dazu zählen neben Staren zum Beispiel Meisen, Kleiber, Haussperling und Rotkehlchen. In Wäldern nutzen diese Singvögel oft auch alte Bruthöhlen von Spechten. Hat der Specht seine Brutstätte erst kürzlich verlassen und ist das Einflugloch somit noch klein, nutzen kleinere Singvögel wie Meisen und Kleiber die Höhle. Wenn dann im Laufe der Zeit das Holz fault und das Loch größer wird, kommen auch größere Bewohner wie beispielsweise Dohlen und Kauze zum Zug. Aber auch Siebenschläfer oder Baummarder hausen gerne in alten Spechtlöchern.
Nistkasten ist jedoch nicht gleich Nistkasten: Wie in der Natur bevorzugen auch bei den menschengemachten „Vogelkinderstuben“ verschiedene Vogelarten jeweils bestimmte Kastenformen und Einfluglochgrößen. Für Meisen sollte das Einflugloch zwischen 26 und 28 Millimeter groß sein, Haussperlinge liegen mit 32 bis 34 Millimetern im Mittelfeld. Kleiber benötigen hingegen größere Einfluglöcher mit 32 bis 45 Millimetern Durchmesser. Aber auch die Form des Nistkastens beeinflusst, wer dort einzieht: Haussperlinge leben gerne in Gesellschaft. Speziell für sie gibt es „Mehrfamilienhäuser“ – ein langer Nistkasten mit Wänden, die ihn in mehrere kleinere Brutplätze aufteilen. Nistkästen für Halbhöhlenbrüter wie das Rotkehlchen sollten statt einem Einflugloch eine halboffene Front haben.
Nistkästen richtig platzieren
Wichtig ist es auch, einen Nistkasten richtig zu platzieren, das gilt sowohl für Standort als auch Zeitpunkt. Für die meisten in Deutschland heimischen Vogelarten beginnt die Brutzeit Anfang März, spätestens dann sollte der Nistkasten eigentlich angebracht sein. Nach Mitte März sinken die Chancen, dass Vögel den Kasten beziehen. Doch auch jetzt ist es noch nicht zu spät: Zugvögel wie der Trauerschnäpper, die erst im April wieder in Deutschland anzutreffen sind, profitieren auch von einem erst spät angebrachten Nistkasten. Und sogar im Herbst und Winter können die Brutstätten Vögeln als Schutz vor kalter Witterung dienen. Nach dem Ende der Brutsaison empfiehlt es sich allerdings, den Kasten zu reinigen.
Der Nistkasten sollte vor Regen und Überhitzung geschützt werden. Daher bietet es sich an, ihn nach Ost bis Südost auszurichten, denn dann erwärmt er sich am Morgen, hängt in der Mittagshitze jedoch im Schatten und überhitzt nicht. Auch sollte der Kasten etwas nach vorne geneigt hängen, damit es nicht hereinregnen kann. Die wenigsten Höhlenbrüter wie Stare oder Mauersegler sind auf einen Nistkasten in großer Höhe angewiesen. Für andere Vogelarten reicht eine Aufhänghöhe von zwei bis drei Metern. Für Arten, die auch sonst eher Gebäude als Brutplätze nutzen, wie Mauersegler, Hausrotschwanz und Haussperling, sollten die Nistkästen nicht an Bäumen, sondern an Haus- oder Wohnungswänden befestigt werden.

Gekauft versus selbst gezimmert
In Baumärkten gibt es Nistkästen für unterschiedliche Vogelarten, doch nicht immer sind diese auch für sie geeignet. „So sind manche billigen Modelle viel zu klein, um einer Schar von bis zu zehn oder mehr Jungen ausreichend Platz zu bieten. Eine Grundfläche von zwölf mal zwölf Zentimeter sollte selbst bei den kleinsten Kästen das Mindestmaß sein“, erklärt die Umweltorganisation NABU. „Stattdessen finden wir manchmal winzige Kästen im Angebot mit riesigen Löchern in der Mitte der Vorderwand, die kaum ein Vogel je nutzen wird.“ Auch oft vor dem Einflugloch angebrachte Sitzstangen schaden eher als nutzen: Sie erleichtern Räubern den Zugang zu den Jungen.
Wer einen Nistkasten selbst bauen will, sollte auf Massivholz von Kiefer, Lärche, Eiche oder Robinie zurückgreifen. Sperrholz, Pressplatten oder gar Plastik sind hingegen ungeeignet. Statt Holzschutzmittel zu verwenden, das den Vögeln schaden kann, können Außenwände mit Leinöl oder umweltfreundlichen Farben oder Lacken gestrichen werden, um das Holz vor Feuchtigkeit und Pilzbefall zu schützen. Gegen Feuchtigkeit im Nistkasten selbst empfiehlt es sich, ein paar Löcher in den Boden zu bohren. Im Internet finden sich viele Anleitungen, um einen Nistkasten für den eigenen Garten zu bauen.
Zusätzlich profitieren die neuen befiederten Gartenbewohner von einem naturnahen Garten mit Blumen und einheimischen Sträuchern. In der Nähe dieser Pflanzen tummeln sich Insekten, die die Vögel zur Aufzucht ihrer Brut benötigen.





