Spezielle Neurone in der Hörrinde des Großhirns sind für besondere Funktionen des Hörens verantwortlich. Dies berichten Wissenschaftler des Georgetown University Medical Center in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Science.
Die Arbeitsgruppe um Biao Tian und Josef P. Rauschecker, Physiologe und Biophysiker, führte ihre Untersuchungen an Rhesusaffen durch. Deren Gehirnstruktur ähnelt der menschlichen so weit, dass gültige Vergleiche gezogen werden können.
Bisher war bekannt, dass die Hörrinde des Großhirns praktisch alle höheren Funktionen des Gehörs übernimmt. Sie befindet sich auf beiden Seiten des Kopfes oberhalb der Ohren und erhält Informationen vom Innenohr und vom Hirnstamm. Im Versuch platzierten die Forscher Mikroelektroden in der seitlichen Zone der Hörrinde. Anschließend spielten sie den Affen artspezifische Laute wie Grunzen, Bellen oder Gurren vor. Die Aktivität der einzelnen Nervenzellen bei den jeweiligen Tönen wurde über die Elektroden aufgezeichnet.
Demnach reagieren die Neuronen im vorderen Bereich der Zone auf die Verschiedenheit der Laute, während die im hinteren Bereich eher die Lautquelle identifizieren. Dies zeigt, dass zumindest Lautunterscheidung und Richtungshören, ? ähnlich wie die Informationsverarbeitung beim Sehen ? in separaten Strömen verarbeitet werden.
“Die Entdeckung ist nicht nur für die Grundlagenforschung interessant, sondern für alle, die sich mit dem Gehör und Gehirnfunktionen befassen,” so Rauschecker. Die invasive Untersuchung von Einzelneuronen ist seiner Meinung nach unerlässlich. Nach wie vor ist der genaue Prozess des menschlichen Hörens noch wenig verstanden.
Anna Voormann





