Zoologische Gärten sind nicht unumstritten. Dennoch gelten sie als Orte der Begegnung mit Tieren und sollen darüber hinaus dem Artenschutz, der Forschung und der Erholung dienen. Für das Selbstverständnis moderner Zoos spielen besonders Bildungsprogramme eine große Rolle. Diese sollen Besucherinnen und Besucher stärker mit der Natur in Verbindung bringen und ihr Bewusstsein für den Artenschutz stärken. Doch wie gut gelingt das? Und wer profitiert besonders von Führungen, Workshops oder mehrtägigen Programmen?
Was bringen Bildungsprogramme in Zoos?
Ein Forschungsteam um Viktoria Feucht von der Universität Frankfurt hat nun in einer Studie untersucht, wie sich das Gefühl der Naturverbundenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch ein Bildungsprogramm im Zoo verändert. „Wir wollten wissen, ob Zoobildungsprogramme Menschen wirklich näher an die Natur heranführen können und welche Rolle dabei die Ausgangslage der Teilnehmenden spielt“, erklärt Co-Autor Paul Wilhelm Dierkes.
Für die Studie werteten die Forschenden Fragebögen aus 20 zoologischen Einrichtungen in Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Portugal aus. Die Teilnehmenden füllten sie jeweils direkt vor und nach einem Bildungsprogramm aus. Neben der Naturverbundenheit erfassten die Forschenden darin auch das Alter und das Geschlecht der Teilnehmenden, die Häufigkeit von Zoobesuchen, die Dauer des Programms, ob im Rahmen des Bildungsprogramms Tierkontakt stattfand und ob das Thema Natur- oder Artenschutz angesprochen wurde. Anschließend verglichen Feucht und ihr Team, wie stark sich die Teilnehmenden der Natur verbunden fühlten, welche Faktoren damit zusammenhängen und ob sich dieses Gefühl durch das Bildungsprogramm verändert hat.
Naturverbundenheit erhöht – aber nicht bei jedem gleich
Die Auswertung ergab, dass die Naturverbundenheit vieler Teilnehmenden nach dem Bildungsprogramm tatsächlich kurzfristig zunahm. Besonders deutlich zeigte sich der Effekt bei Menschen, die sich zu Beginn als mittelmäßig naturverbunden einschätzten. „Unsere Daten zeigen, dass Zoobildungsprogramme gerade diejenigen erreichen können, die sich vorher weniger stark mit der Natur verbunden fühlten“, sagt Co-Autor Matthias Kleespies. „Das ist aus Sicht der Umweltbildung eine wichtige Erkenntnis, weil ihre Angebote diese Zielgruppe besonders im Blick haben.“ Für gering oder mittelstark naturverbundene Teilnehmende waren Programme besonders wirksam, wenn sie direkten Tierkontakt ermöglichten, Natur- und Artenschutz thematisierten oder über einen längeren Zeitraum liefen.
Bei Personen mit bereits hoher Naturverbundenheit fielen die Veränderungen hingegen geringer aus. Das bedeute jedoch nicht, dass Zoobildung für diese Gruppe weniger wichtig sei, betonen die Forschenden. Denn die von ihnen verwendete Skala reichte nur bis zu einem Höchstwert. „Wer bereits zu Beginn sehr hohe Werte erreicht, hat daher weniger Spielraum für eine weitere messbare Steigerung“, erläutert Dierkes. „Solche Programme könnten dennoch dazu beitragen, bestehende Einstellungen zu festigen oder zu vertiefen.“
Auch die Häufigkeit der Zoobesuche, das Alter und das Geschlecht beeinflussten, wie stark sich die Naturverbundenheit nach einem Bildungsprogramm veränderte. So zeigten Menschen, die häufiger Zoos besuchten, teilweise stärkere Effekte als seltene Zoobesucher. Besonders deutlich nahm die Naturverbundenheit bei Kindern mit geringen oder mittleren Ausgangswerten zu. Bei Frauen stiegen die Werte außerdem etwas stärker als bei Männern.
Längerfristige Wirkung noch unklar
Die Studie zeigt allerdings nur kurzfristige Effekte. Ob die stärkere Naturverbundenheit langfristig anhält, ist noch unklar. Trotzdem interpretieren die Forschenden die Ergebnisse als Bestätigung für die Bildungsarbeit in Zoos. „Zoos erreichen sehr unterschiedliche Menschen“, sagt Feucht. „Gerade deshalb können sie wichtige Orte sein, um die Naturverbundenheit verschiedener Besuchergruppen gezielt zu stärken.“ Für die Weiterentwicklung solcher Angebote empfehlen die Forschenden, stärker auf die Voraussetzungen der Teilnehmenden zu achten. „Ob jemand bereits sehr naturverbunden ist oder sich kaum als Teil der Natur wahrnimmt, kann beeinflussen, wie stark ein Bildungsprogramm wirkt“, sagt Kleespies.
Quelle: Goethe-Universität Frankfurt. Fachartikel: People and Nature, doi: 10.1002/pan3.70396





