Studien der letzten Jahre haben immer mehr verdeutlicht, wie vielschichtig die Bedrohungen durch den Klimawandel für die Natur sein können. Der Grund sind die teils komplexen Wechselbeziehungen, die aus dem Gleichgewicht geraten können, wenn sich bestimmte Schlüsselfaktoren verändern. In diesem Zusammenhang kommt auch der zeitlichen Abstimmung große Bedeutung zu. Bei der Pflanzen- und Insektenentwicklung spielt dabei bekanntlich die Temperatur eine große Rolle: Sowohl die Tiere als auch die Pflanzen nutzen sie als Indikator für den richtigen Zeitpunkt der Blüte beziehungsweise des Schlupfes. Sie synchronisieren auf diese Weise ihr Erscheinen, damit ihr wechselseitiges Abhängigkeitsverhältnis funktionieren kann. Denn Pflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen und Wildbiene und Co benötigen Nektar und Pollen für ihre Entwicklung.
Blütezeit und Schlupf müssen zueinander passen
Die Klimaerwärmung führt nun bekanntermaßen dazu, dass sich das Erscheinen vieler Pflanzen- und Tierarten verfrüht – allerdings ist in vielen Fällen unklar, inwieweit dies im gleichen zeitlichen Rhythmus erfolgt. Dieser Frage sind nun Sandra Kehrberger und Andrea Holzschuh von der Universität Würzburg nachgegangen. „Wir haben den Einfluss der Temperatur auf zwei Frühlingsbienen-Arten, der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) und der Roten Mauerbiene (Osmia bicornis), sowie auf die früh blühende Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) untersucht“, sagt Kehrberger.
Der zeitlichen Synchronisation von Schlupf und Blüte kommt im Leben dieser Wildbienen und auch der Pflanze eine besondere Bedeutung zu, erklären die Forscherinnen: „Für Wildbienen ist der richtige Zeitpunkt des Schlupfes insbesondere im Frühling zu Beginn der Vegetationsperiode wichtig, da bereits eine kurze Zeitspanne ohne blühende Pflanzen und damit ohne Nahrung negative Folgen für das Überleben der Bienen und die Anzahl an Nachkommen haben kann“, sagt Holzschuh. Aber auch für Pflanzenarten, die zu Beginn der Vegetationsperiode blühen und auf die Bestäubung durch Wildbienen angewiesen sind, ist der richtige Zeitpunkt der Blüte von Bedeutung. „Ein Mangel an Bestäubern kann für sie und für ihren Reproduktionserfolg negative Folgen haben“, ergänzt Kehrberger.
Die Küchenschelle blüht zu früh
Für ihre Studie haben die Wissenschaftlerinnen auf Versuchsflächen die Entwicklung von Bienen-Kokons sowie die Blütezeit der Küchenschelle bei unterschiedliche Temperaturbedingungen untersucht. Wie sie berichten, war das Ergebnis deutlich: Mit steigenden Temperaturen setzt die Blüte der Küchenschelle früher ein. Was den Schlupfzeitpunkt der beiden Mauerbienen betrifft, ist der Verfrühungseffekt allerdings geringer. Somit besteht die Gefahr, dass die ersten Blüten der Küchenschelle in der Abwesenheit von geeigneten Bestäubern blühen.




