Spätestens der extrem heiße und trockenen Sommer des Jahres 2018 hat vielen Menschen in Deutschland vor Augen geführt, was der Klimawandel auch hierzulande bedeuten kann. Auch Überschwemmungen und Stürme werfen immer wieder die Frage auf, ob dies nur natürliche Ausreißer sind oder aber schon erste Symptome des Klimawandels. Mehr Klarheit in dieser Frage schafft nun der Monitoringbericht 2019 der Bundesregierung, für den knapp 200 Experten aus Wissenschaft, verschiedenen Organisationen und Behörden historische und aktuelle Wetter- und Klimadaten ausgewertet hat.
1,5 Grad wärmer und mehr Hitzeperioden
Das Ergebnis: Der Klimawandel ist auch in Deutschland bereits deutlich nachweisbar – sowohl in Veränderungen des Wetters als auch bei den Klimafolgen. So hat sich dem Bericht zufolge die mittlere Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht – dies sind 0,5 Grad mehr als im globalen Mittel für den gleichen Zeitraum. Allein in den letzten fünf Jahren sind die deutschen Mitteltemperaturen um 0,3 Grad angestiegen. Besonders stark erwärmt haben sich dabei die südlichen und westlichen Bundesländer, der Norden und Osten liegen leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt.
Begleitend zur allgemeinen Erwärmung haben auch die Hitzeextreme zugenommen. “Seit 1951 hat die Anzahl der heißen Tage im Flächenmittel von etwa drei Tagen pro Jahr auf derzeit im Mittel etwa zehn Tage pro Jahr zugenommen”, heißt es im Monitoringbericht. Während es vor 1994 noch nie mehr als zehn solcher Tage mit Temperaturen über 30 Grad gegeben hat, ist dies inzwischen häufiger der Fall – zuletzt 2003, 2015 und 2018. Besonders oft treten Hitzetage dabei im Osten und im Rhein-Main-Gebiet auf – hier sind es im Schnitt schon bis zu 18 Hitzetage pro Jahr. Auch Hitzewellen mit mehr als 30 Grad über mindestens zwei Wochen Dauer haben in Deutschland zugenommen. Als Folge leidet die Land- und Forstwirtschaft unter zunehmendem Wassermangel. Dem Bericht zufolge hat die Zahl der Tage mit Bodenfeuchtewerten unter 30 Prozent seit 1961 signifikant zugenommen. Unterhalb dieses Feuchtewerts nimmt die Photosyntheseleistung der Pflanzen stark ab und sie wachsen kaum noch.

Mehr Starkregen, Stürme und Wetterschäden
Verändert haben sich auch die winterlichen Niederschläge: “Während die mittleren Regenmengen im Sommer weitestgehend unverändert geblieben sind, ist es insbesondere im Winter signifikant feuchter geworden”, so der Bericht. Insgesamt haben die winterlichen Niederschläge seit 1881 um 25 Prozent zugenommen. Nur der Nordosten liegt leicht unter diesem Durchschnittswert. Zugenommen haben auch die Starkregen – in den letzten 65 Jahren sind winterliche Starkregenfälle von mindestens 24 Stunden Dauer um rund 25 Prozent mehr geworden. Dabei zeigen die Messungen, dass diese hochwasserfördernden Wetterextreme entgegen früheren Annahmen nicht auf Süddeutschland konzentriert sind – gerade die extremsten Starkregen treten überall in Deutschland auf.




