Schizophrene und manisch-depressive Patienten leiden an der gleichen genetischen Störung. Diese Entdeckung machte ein internationales Forscherteam, das Genprofile manisch-depressiver, schizophrener und gesunder Menschen verglich. Bei beiden Krankheiten ist die Produktion von Myelin, der Isolationsschicht für Nervenzellen, gestört. Das berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Lancet (Bd. 362, S. 798).
Schizophrenie und die bipolare affektive Störung, besser bekannt als manisch-depressive Störung, gehören zu den häufigsten psychischen Krankheiten. Auch wenn bei beiden Krankheiten Umweltfaktoren als Hauptauslöser betrachtet werden, treten die Störungen nur auf, wenn bestimmte genetische Veranlagungen vorliegen. Sabine Bahn von der Universität von Cambridge konnte nun zusammen mit britischen und amerikanischen Kollegen die Art dieser Dispositionen aufklären.
Die Forscher untersuchten bei Gehirnen von jeweils fünfzehn schizophrenen, manisch-depressiven und gesunden Patienten, welche Gene aktiv und welche ausgeschaltet waren. Der Vergleich der Genprofile zeigte, dass in allen Gehirnen der Kranken die gleiche Gruppe von Genen weniger aktiv war als in denen gesunder Menschen. Diese Gene sind für die Bildung von Myelin verantwortlich, einem Eiweißstoff, der wie eine Isolierschicht um Nervenzellen liegt und entscheidend für die korrekte Weiterleitung elektrischer Nervenimpulse ist.
Die Ähnlichkeit der Genprofilveränderungen unterstützt frühere Vermutungen, beide Krankheiten könnten enger verwandt sein als bisher angenommen. Warum sich jedoch aus der gleichen Störung so unterschiedliche Krankheiten entwickeln, konnten die Forscher noch nicht erklären. So zeigt sich bei schizophrenen Patienten häufig ein Realitätsverlust mit Halluzinationen und Wahn, während manisch-depressive Menschen von Phasen der extremen Euphorie mit Antriebssteigerung und Enthemmung in tiefe Depressionen verfallen.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





