Gerhard Lux: Vor rund 10.000 Jahren endete die letzte Eiszeit und die Erde hat angefangen, sich wieder zu erwärmen. Dies ist in der Geschichte schon öfter passiert. Doch das, was sich klimatologisch in den letzten 150 Jahren abgespielt hat, hat nichts mehr mit der natürlichen Erderwärmung zu tun. Die Temperaturen schwanken, aber wir haben noch nie erlebt, dass sie in so kurzer Zeit so sehr nach oben geschnellt sind. Und genau das ist der Punkt. Über 130 Jahre Aufzeichnungen zeigen, dass die Treibhausgas-Konzentration in einer ähnlichen Kurve wie die Temperaturen zugenommen hat. Deshalb gehen die Klimatologen davon aus, dass der Anstieg der Temperatur und der Anstieg der Treibhausgase eng zusammenhängen.
In den vergangenen 50 Jahren ist die Temperatur um durchschnittlich 0,13 Grad Celsius pro Jahrzehnt gestiegen. Das ist eine Verdopplung verglichen mit den letzten 100 Jahren. Dennoch ist der Anstieg an sich nur sehr gering.
Die 0,13 Grad gelten nur für Deutschland. Zudem vermeiden wir einen Anstieg pro Jahrzehnt anzugeben, denn es gibt naturgemäß immer Schwankungen. Klimatologisch sinnvoll ist es einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren zu betrachten, weil man dadurch einen Durchschnitt bekommt, bei dem die natürlichen Temperaturschwankungen ausreichend gedämpft sind. Die Globaltemperatur unserer Lufthülle ist in den letzten 100 Jahren immerhin um etwa ein Grad gestiegen.
Ein Grad hört sich nicht sehr viel an. Warum ist es dennoch ein Problem?
Ein Grad ist der Durchschnitt. Aber es bleibt nicht dabei. Und man bemerkt auch bei den Extremwerten Veränderungen. Die Häufigkeit von besonders kalten Wintern hat ab-, die Zahl von sehr heißen Sommern zugenommen. Einzelne Jahreszeiten haben sich verschoben oder verändert.
Warum nehmen die Extremwettersituationen zu?
Physikalisch gesehen fachen höhere Temperaturen in der Atmosphäre auch den Wasserkreislauf an. Die Folge sind beispielsweise heftigere Niederschläge oder stärkere Monsune in bestimmten Gegenden. Das System Erdatmosphäre ist unglaublich komplex.
Sie sagen, die Jahreszeiten haben sich verschoben. Was heißt das genau?
Die Pflanzen fangen früher an zu blühen. Das sieht man an der Apfelbaumblüte. Denn diese signalisiert den Beginn des Frühlings. In den letzten 20 bis 30 Jahren hat sich der Blühbeginn mehr als 14 Tage nach vorne verschoben. Unsere gesamte Vegetationsperiode hat sich verlängert und wir bemerken auch regionale Unterschiede. Im Rhein-Main-Gebiet sieht man die Veränderung deutlicher als an den Küsten. Dies liegt am Meer, das dämpfend wirkt. Im Sommer kühlt das Wasser die Luft und im Winter gibt das Wasser Wärme an die Atmosphäre ab.





“Main Rheines Klima”