Amerikanische Forscher haben möglicherweise einen neuen Ansatz zur Behandlung von Unfruchtbarkeit bei Frauen entdeckt: Das so genannte luteinisierende Hormon (LH), das eine wichtige Rolle beim Auslösen des Eisprungs spielt, wirkt gar nicht selbst auf die Eierstockzellen, sondern schickt andere Botenstoffe ins Rennen. Erst diese Botenstoffe starten dann die Vorgänge, die zum Eisprung führen. Diese Kenntnis, hoffen die Wissenschaftler, ermögliche ganz neue Therapiemöglichkeiten. Die Forscher beschreiben ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Science (Online-Vorabveröffentlichung vom 15. Januar, DOI: 10.1126/science.1092463).
LH gehört zu den wichtigsten Hormonen im weiblichen Zyklus. Es wird etwa in der Mitte des Monatszyklus in der Hirnanhangdrüse, der so genannten Hypophyse, produziert und löst die Reifung des Eifollikels in den Eierstöcken, den Eisprung und die nachfolgende Bildung des Gelbkörpers aus dem Follikel aus. Wird die LH-Produktion beispielsweise durch die “Pille” unterdrückt, findet kein Eisprung statt. Störungen im LH-Haushalt haben fast immer die Unfruchtbarkeit der betreffenden Frau zur Folge. Seit langem rätseln Wissenschaftler jedoch darüber, wie das Hormon eigentlich seine Wirkung vermittelt, denn weder die Eizelle noch das sie umgebende Gewebe haben die zum LH-Schlüssel passenden Schlossmoleküle.
Diese Frage können Marco Conti und seine Kollegen von der Stanford-Universität in Kalifornien nun beantworten: LH erledigt seine Aufgaben gar nicht selbst, sondern delegiert sie an eine Gruppe von Signaleiweißen, die zu den so genannten Wachstumsfaktoren gehören. Diese Proteine leiten dann die Reifung der Eizelle im Follikel und die Veränderungen des Gewebes ein, die für den Eisprung notwendig sind. Wissenschaftler kennen die verantwortlichen Signalstoffe bereits aus der Embryonalentwicklung und auch von der Krebsentstehung, wo sie ebenfalls wichtige Funktionen erfüllen. Ihre Rolle im weiblichen Zyklus war jedoch bislang unbekannt.
Die Entdeckung habe weitreichende Konsequenzen, schreiben die Forscher. Neben der Entwicklung neuer, punktgenau wirksamer Verhütungsmittel könne nun auch die Reifung der Eizelle im Zuge einer künstlichen Befruchtung besser kontrolliert und beeinflusst werden. Außerdem sei es nun möglich, die Folgen einer gestörten LH-Produktion direkt zu beheben und nicht das Hormon, sondern die Signalstoffe therapeutisch einzusetzen.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





