Text: Cindy Hempp
An welche Geräusche denken Sie, wenn Sie an Schimpansen im Regenwald denken? Der sogenannte Pant Hoot, eine lange Folge aus „Hoo“ und hechelnden Lauten, die weithin zu hören ist, ist die wahrscheinlich bekannteste Lautkombination unserer nächsten Verwandten.
Das Laute-Repertoire von Schimpansen
Doch Schimpansen können mehr: Sie verfügen über zwölf Einzellaute, wie zum Beispiel grunzen, bellen, Hoo. Seit dem Jahr 2022 ist bekannt, dass sie diese Einzellaute in Hunderte unterschiedliche, regelbasierte Sequenzen aus bis zu zehn Lauten kombinieren und sie in verschiedenen Situationen verwenden. Bislang jedoch hatten Forschende bei Tieren nur je einen Kombinationsmechanismus nachweisen können.
Damit waren sie weit entfernt von dem, was menschliche Sprache ausmacht. Denn die menschliche Sprache ist unter anderem dadurch charakterisiert, dass Laute über verschiedene Mechanismen kombiniert, zu Worten zusammengesetzt und in hierarchisch strukturierten Sätzen aus mehreren Satzgliedern, wie Haupt- und Nebensätzen, verbunden werden. Dadurch ist uns Menschen eine unbegrenzte Anzahl von Äußerungen möglich.
Einmalige genetische Mutation oder schrittweise evolutionäre Entwicklung?
Ein Mechanismus zur Bildung von Sprache wird als Merge bezeichnet. Noam Chomsky stellte ihn erstmals 1995 vor und hat den Ansatz bis heute weiterentwickelt. Merge zeichnet sich durch seine Einfachheit aus, indem zwei Wörter zu einer Wortgruppe kombiniert werden und die entstehende Wortgruppe wiederum mit einem weiteren Wort oder einer anderen Wortgruppe kombiniert werden kann. Dies sei auf alle Sprachen anwendbar und nicht schrittweise entstanden, sondern durch eine einmalige genetische Mutation, so Chomsky.
Doch es gibt auch mehrere Gegentheorien, nach denen Sprachwissen durch soziale Interaktion entstehe und sich evolutionär entwickelt habe. Der Psychologe Michael Tomasello etwa hebt die menschliche Fähigkeit hervor, Sprache flexibel und passend zum Kontext einzusetzen, sich also beim Sprechen auf sein Gegenüber einzustellen. Dies fehle zwar bei den Lautäußerungen von Schimpansen, jedoch besäßen sie vor allem gestisch bereits intentional-kommunikative Fähigkeiten.
„Aus evolutionsbiologischer Sicht macht es überhaupt keinen Sinn, dass es Peng macht, der Mensch ist da und spricht. Da muss etwas vorher gewesen sein, worauf es aufgebaut hat“, sagt der Verhaltensökologe Roman Wittig, Direktor des Taï Chimpanzee Projects an der Elfenbeinküste, und ergänzt: „Catherine Crockford hat 2004 angefangen, die Kommunikation bei Schimpansen zu untersuchen und konnte nachweisen, dass ein Lernprozess dahintersteckt.“ Wittig und Crockford leiten das Ape Social Mind Lab am CNRS Institut für Kognitionswissenschaften in Lyon und sind Gründungsmitglieder des Evolution of Brain Connectivity Projektes der Max Planck Gesellschaft.





