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DNA enthüllt die Geschichte der frühesten Hunde Europas
Biologie

DNA enthüllt die Geschichte der frühesten Hunde Europas

Dieser in England entdeckte 14.800 Jahre alte Kieferknochen stammt von einem der frühesten bekannten Hunde in Europa. · Foto: Trustees of the Natural History Museum

Hunde sind nicht nur die besten Freunde des Menschen, sondern auch die ältesten. Neue Belege dafür liefern zwei Studien, die die bislang frühesten bekannten Genome von domestizierten Hunden in Europa analysiert haben. Das erste fossile Individuum, bei dem es sich demnach zweifelsfrei um einen Hund statt um einen Wolf handelt, lebte vor 15.800 Jahren in der Türkei. Weitere Fossilien zeigen, dass unsere Vorfahren ihre Hunde mitbrachten, als sie von Südwestasien nach Europa einwanderten. Die Ergebnisse unterstreichen, wie eng die Geschichte von Hund und Mensch miteinander verknüpft ist.
Autor
Elena Bernard
25. März 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Biologie

Hunde waren die ersten Tiere, die vom Menschen domestiziert wurden. Bereits vor dem Aufkommen der Landwirtschaft wurden Jäger- und Sammlergruppen von Wölfen begleitet, die sich nach und nach immer mehr an den Menschen anpassten und sich schließlich genetisch so stark von ihren wilden Verwandten unterschieden, dass sie zu einer neuen Art wurden, den Hunden. Wann genau der Übergang vom Wolf zum Hund stattfand, lässt sich allerdings nur schwer feststellen, da sich ihre Skelette morphologisch sehr ähneln. Die ältesten direkten genetischen Nachweise für domestizierte Hunde reichten bislang 10.900 Jahre zurück.

Älteste Hunde genetisch identifiziert

Nun liefern zwei Studien deutlich ältere Belege. Ein Team um Anders Bergström von der University of East Anglia in Norwich hat die DNA aus 216 Skelettresten von Caniden aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweden, Schottland und weiteren Fundstätten in ganz Europa analysiert, darunter 181 Proben mit einem Alter von mehr als 10.000 Jahren. Das älteste Tier, das Bergström und seine Kollegen auf Basis der genetischen Daten eindeutig als Hund einordneten, lebte vor 14.200 Jahren und wurde in der Kesslerloch-Höhle in der Schweiz gefunden.

Szene vor 15.800 Jahren
So könnten Menschen und Hunde vor 15.800 Jahren in Pınarbaşı zusammengelebt haben. © Kathryn Killackey

Noch ältere Exemplare identifizierte ein zweites Forschungsteam um William Marsh vom Natural History Museum in London: einen 15.800 Jahre alten Hund aus Pınarbaşı in der Türkei sowie ein 14.300 Jahre altes Individuum aus der Gough’s Cave in England. Zusammen mit Belegen aus weiteren archäologischen Stätten zeigen diese Funde, dass domestizierte Hunde bereits vor mindestens 14.300 Jahren in West-Eurasien weit verbreitet waren und dass die wichtigsten genetischen Linien heutiger Hunde bereits gegen Ende der Altsteinzeit etabliert waren. „Dies wirft die Möglichkeit auf, dass die Domestizierung bereits während der letzten Eiszeit stattfand – mehr als 10.000 Jahre vor dem Erscheinen anderer domestizierter Pflanzen oder Tiere“, sagt Co-Autor Lachie Scarsbrook von der Ludwig-Maximillians-Universität München.

Begleiter unserer Vorfahren

Die Analysen geben auch Aufschluss über die Abstammungsgeschichte der Hunde. Laut Bergström und seinen Kollegen trugen alle untersuchten domestizierten Hunde in Europa Erbgut von asiatischen Vorfahren in sich. Europäische Wölfe scheinen hingegen keinen nachweisbaren Beitrag zur Entstehung der Hunde geleistet haben. Dennoch war bereits der Hund aus Kesslerloch europäischen Hunden genetisch ähnlicher als asiatischen. „Da der 14.200 Jahre alte Hund aus Kesslerloch bereits mehr Ähnlichkeit mit späteren Hunden in Europa als mit denen in Asien aufwies, müssen Hunde schon lange vor diesem Zeitpunkt domestiziert worden sein, sodass Zeit blieb, dass sich diese genetischen Unterschiede herausbildeten“, erklärt Bergström.

Als im Zuge der neolithischen Revolution die ersten jungsteinzeitlichen Bauern aus Kleinasien und dem Mittelmeerraum nach Europa einwanderten und die Landwirtschaft mitbrachten, kamen offenbar auch ihre Hunde mit. Die DNA-Analysen zeigen, dass sich die mit der Migrationsbewegung verknüpften Veränderungen in der menschlichen Genetik auch im Genom von Hunden widerspiegeln – allerdings in deutlich geringerem Maße. Das deutet darauf hin, dass sich die Vierbeiner mit Hunden lokaler Jäger und Sammler kreuzten, die bereits in Europa lebten. Vergleiche mit heutigen europäischen Hunden zeigen, dass dieses Erbe bis heute fortlebt.

„Hunde waren das einzige domestizierte Tier, das bereits vor der Landwirtschaft existierte. Daher kann ihre Evolution uns helfen zu verstehen, wie ein großer Wandel im Lebensstil unsere eigene Geschichte geprägt hat“, sagt Co-Autor Pontus Skoglund vom Francis Crick Institute in London. „Es ist faszinierend, dass Hunde, die vor der Ära der Landwirtschaft lebten, wesentlich zur Genetik der europäischen Hunde von der Jungsteinzeit bis heute beigetragen haben. Hunde waren für unsere Vorfahren offensichtlich wichtig, da die ersten Bauern offenbar die Hunde früherer Jäger und Sammler in ihre Gruppen aufgenommen haben, als sie nach Europa zogen.“

Quellen:
Anders Bergström (University of East Anglia, Norwich, UK) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-026-10112-7; W illiam Marsh (Natural History Museum, London, UK) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-026-10170-x

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