Die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzten Pestizide sichern zwar die Ernteerträge, indem sie schädliche Insekten, Pilze und Unkräuter bekämpfen. Sie sind aber trotzdem seit Langem umstritten: Manche gelten als potenziell krebserregend und stehen im Verdacht, den Rückgang von Insekten zu verursachen und Vögel zu vergiften. Zudem gelangen die Pestizide auch in umliegende Gewässer und schädigen die aquatischen Ökosysteme, die Teil des Nahrungsnetzes sind und die Selbstreinigung des Wassers unterstützen sowie eine Rolle für den Erhalt der Artenvielfalt spielen.
Pestizidwerte über dem Limit
Aber wie stark sind Kleingewässer in deutschen Agrarlandschaften bereits von Pestiziden kontaminiert? Dem ist ein Forscherteam um Matthias Liess vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in einem bundesweiten Monitoring nachgegangen. Die Wissenschaftler prüften dazu zwei Jahre lang die Pestizidbelastung an mehr als 100 Messstellen an Bächen, die durch überwiegend landwirtschaftlich genutzte Tieflandregionen in zwölf Bundesländern fließen. Dabei wollten Liess und seine Kollegen auch herausfinden, wie stark die aquatische Artenvielfalt durch solche Einträge beeinträchtigt wird.
Das Ergebnis: „Wir haben bundesweit eine deutlich höhere Pestizidbelastung in den Kleingewässern nachgewiesen, als wir das ursprünglich erwartet haben“, so Liess. Die Belastungen waren dabei in über 80 Prozent der Gewässer so hoch, dass sie die sogenannten RAK-Werte überschritten. Diese Werte bezeichnen die im behördlichen Zulassungsverfahren eines Pflanzenschutzmittels festgelegte Konzentration eines Wirkstoffs, die im Gewässer nicht überschritten werden darf, um negative Auswirkungen auf Gewässerorganismen zu verhindern. In 18 Prozent der Bäche wurden sogar für mehr als zehn Pestizide derartige Überschreitungen nachgewiesen. Zum Beispiel übertraf Thiacloprid, ein Insektizid aus der Klasse der hochwirksamen Neonicotinoide, den RAK-Wert in drei Gewässern um mehr als das 100-fache. Andere Insektizide wie Clothianidin, Methiocarb und Fipronil, aber auch Herbizide wie Terbuthylazin, Nicosulfuron und Lenacil überschritten den RAK-Wert in über 25 Gewässern um den Faktor zehn bis 100.
Aktuelle Grenzwerte zu hoch angesetzt
Anhand ihrer Daten konnten Liess und sein Team zudem nachweisen, dass die aktuellen RAK-Werte deutlich zu hoch angesetzt sind, um die Ökosysteme und ihre Artenvielfalt zu schützen. Denn die Pestizide wirken ihren Daten zufolge auf Lebensgemeinschaften aquatischer Wirbelloser bereits in viel niedrigeren Konzentrationen als bisher in der Pestizid-Zulassung angenommen. So konnten die Forscher feststellen, dass es in den meisten landwirtschaftlich genutzten Bächen nur noch eine reduzierte Anzahl an gefährdeten Arten gibt.




