Jackie Morris und Robert Macfarlane, preisgekrönte Bestsellerautoren, treten dem in ihrem neuen „Buch der Vögel“ entgegen und rufen uns die Bedeutung der „Ortsgestalter, Gedächtnisträger, Uhren und Kalender“ in Erinnerung. Sie tun dies anhand von sieben Wundern – Nest, Ei, Schnabel, Gesang, Feder, Flug und Vogelzug – sowie sieben mal sieben gefährdeten Vögeln. Etwa der Rohrdommel, dem „Sasquatch des Modders“, einem Moorvogel, vertrieben aus seinem angestammten Habitat, wiedergeboren als Stadtvogel. Auch der Tetrao urogallus, der Auerhahn als „Dandy-Charmeur“, darf im Buch nicht fehlen. Das Gebaren und Gefieder der Männchen wird dem der Weibchen gegenübergestellt. Die flamboyante Balz ist nötig – und gefährlich. Nur noch 500 Exemplare seien übrig. Zum Grünfink lesen wir die Geschichte eines kriegsmüden Kriegers. Und über den Papageientaucher, das „Geschöpf der kälteren Wasser“, lernen wir, dass er jeden Winter allein weit draußen auf dem Ozean verbringt.
Der Naturschriftsteller und die Zeichnerin bringen uns nicht nur Fakten nahe, sondern changieren zwischen Information und Poesie, Historie und Anekdote. Es ist ein Werk voller Liebe, bemüht, Schönheit und Faszination
zu vermitteln. Was nicht zuletzt dank der fantastischen Illustrationen, hochwertiger Aufmachung und Vogeltabellen bestens gelingt. Farbe und Form, Bewegung und Rhythmus, all dies lässt sich fühlen, ist wahrnehmbar.
Allein die Farbpalette des Kiebitzes, verbunden mit einer persönlichen Geschichte und Etymologie des Namens, steht exemplarisch für das zauberhafte Buch, in dem wir gleich darauf dem „märchenhaften, lebhaften Merlin“, einem Falkenartigen, begegnen und das uns Spatzen schätzen lehrt.
Was Jackie Morris und Robert Macfarlane mit dem „Buch der Vögel“ geschaffen haben, ist nichts weniger als eine neue Kategorie des Nature Writing, irgendwo zwischen Jane Austen und Jane Goodall, Naturmuseum und Kunstgalerie, Goethe und von Humboldt.
Am Ende steht die Frage: In welchem Nest der Wahrnehmung wollen wir uns einrichten? Gibt es noch Hoffnung? Alexander Schramm
Robert Macfarlane, Jackie Morris:
Das Buch der Vögel.
Ullstein Verlag. 384 S., 34 €
Auch der Tetrao urogallus, der Auerhahn als „Dandy-Charmeur“, darf im Buch nicht fehlen





