Anhand von acht Blütenpflanzen – Magnolien, Bocksbart, Orchideen, Gras, Seegras, Rosen, Tee und Stiefmütterchen – erklärt der Umweltwissenschaftler von der University of the South in Tennessee, worin ihre besonderen Fähigkeiten liegen.
Die Magnolie zählt zu den ersten Blütenpflanzen überhaupt. Haskell schildert, wie sie schon vor rund 200 Millionen Jahren mit großen, duftenden Blüten Stachelkäfer anlockte. Damals begann die Koevolution mit den Insekten, und aus Fressfeinden wurden Bestäuber. Auch bei Vögeln und anderen Wirbeltieren stieg die Artenvielfalt durch partnerschaftliche Beziehungen mit Blumen.
Einfallsreich ist auch der Bocksbart, der weit mehr ist als ein lästiges Unkraut. An ihm zeigt Haskell, wie Bienenbestäubung Hybride hervorbrachte und wie neue Arten durch die Verdopplung der Chromosomen entstanden. Diese Mechanismen der Hybridisierung und Genom-Verdopplung funktionieren nicht nur in der Natur. Sie sind auch für den Menschen wertvoll, etwa bei der Züchtung von Kultur- und Nahrungspflanzen. Sie sorgen für eine enorme Sortenvielfalt und tragen zur Sicherung unserer Ernten bei. Doch das Buch beleuchtet auch die Kehrseite der Züchtung: immer mehr sterile Sorten, die sich nicht selbst vermehren und, anders als Wildblumen, nutzlos für Bestäuber sind. Umso wichtiger sind die Kreativität und Anpassungsfähigkeit der Pflanzen. Hoffnung schöpft Haskell aus den Strategien von Schaumkräutern und anderen Pionierpflanzen, die verlassene, kontaminierte oder zerstörte Lebensräume erobern.
Lebendig erzählt der Biologe von Exkursionen, Naturbeobachtungen und dem Besuch eines Gartens, in dem ihn der Duft Hunderter Pflanzen, die zur Parfümherstellung angebaut werden, betört. Nebenbei vermittelt er Grundwissen über den Blütenaufbau, die Tricks der Blumen zum Anlocken von Bestäubern, Symbiosen mit Pilzen und grasende Säugetiere als Partner sowie zu neuen Erkenntnissen der Genetik. Ein Buch voller überraschender Einsichten, das uns den Einfallsreichtum der Natur vor Augen führt. Petra Wiemann
David George Haskell:
Die schöpferische Kraft der Blumen.
Kunstmann Verlag. 320 S., 28 €
Sie schufen neue Ökosysteme und beflügelten nicht nur die Evolution der Insekten





