Japanische Forscher haben den Mechanismus entschlüsselt, mit dem Viren psychische Störungen auslösen können. Die Erreger stören die Nährstoffversorgung im Gehirn, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin PNAS (Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1073/pnas.1531155100).
Wissenschaftler vermuteten schon länger, dass Viren wie das Borna-Virus bei Schizophrenie oder anderen psychischen Krankheiten eine wichtige Rolle spielen. Keizo Tomonaga und sein Team von der Osaka-Universität in Japan entdeckte nun, dass ein Protein aus dem Virus im Gehirn so genannte Gliazellen schädigt. Diese sind für die Versorgung des Organs mit Nährstoffen zuständig. Eine Funktionsstörung dieser Zellen während der Gehirnentwicklung kann das Wachstum von Nervenzellen beeinflussen und die Ausbildung von Verknüpfungen zwischen den Neuronen behindern.
Der Wirkung des Virus kamen die Wissenschaftler auf die Spur, indem sie das Gen für das Virusprotein in Mausembryonen einschleusten. Die Tiere entwickelten daraufhin Verhaltensanomalien wie Aggressivität und Hyperaktivität und zeigten gestörte Gedächtnisleistungen. Außerdem wiesen sie eine geringere Anzahl an Nervenverbindungen und eine verringerte Dichte an Andockstellen für das Glückshormon Serotonin auf. Ein Mangel an Serotonin kann Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen verursachen.
Bei vielen psychischen Erkrankungen liegt eine Fehlfunktion der Gliazellen vor. Untersuchungen haben in der Vergangenheit bereits gezeigt, dass Psychatriepatienten vermehrt Infektionen mit dem Borna-Virus aufweisen. Wie genau das Virus mit der Entwicklung von Psychosen in Zusammenhang steht, war bislang allerdings ungeklärt.
ddp/bdw ? Christine Harbig
Japanische Forscher haben den Mechanismus entschlüsselt, mit dem Viren psychische Störungen auslösen können. Die Erreger stören die Nährstoffversorgung im Gehirn, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin PNAS (Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1073/pnas.1531155100).
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