Der Umstieg auf Elektroautos ist ein wichtiger Schritt, um Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen. 2025 war zwar bereits fast jedes fünfte hierzulande neu zugelassene Auto elektrisch. Gleichzeitig können sich immer noch nicht alle Menschen ein E-Auto leisten oder das Auto problemlos laden. Besonders Haushalte mit geringem Einkommen stehen vor großen Hürden. Klimaschutzszenarien betrachten jedoch die Entwicklung der Emissionen und Kosten meist nur für den gesamten Verkehrssektor.
Deshalb haben Peter Kasten vom Öko-Institut in Freiburg und seine Kollegen untersucht, wie sich Emissionen und Investitionen im Pkw-Verkehr zukünftig auf unterschiedliche Haushaltsgruppen verteilen. Dafür verknüpften die Forschenden eine Prognose für ein klimaneutrales Deutschland bis 2045 mit Daten zur Mobilität in unserem Land. Sie teilten die Haushalte nach Einkommen, jährlicher Fahrleistung und Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel in Gruppen ein und berechneten, wie schnell die verschiedenen Gruppen voraussichtlich auf Elektroautos umsteigen und welche finanziellen Belastungen dabei entstehen. Zusätzlich zu der Untersuchung vom Öko-Institut befragten Frederik Digulla und Kollegen von der Stiftung Klimaneutralität 3000 potenzielle E-Auto-Käufer zu ihrer Kaufbereitschaft, Finanzierung und ihren Lademöglichkeiten.
Bei Dienstwagen gehts am schnellsten, Geringverdiener hinken hinterher
Die Ergebnisse zeigen, dass Haushalte mit Dienstwagen derzeit die höchsten Emissionen im Pkw-Verkehr verursachen. Sie fahren besonders viel und nutzen häufig größere und leistungsstärkere Fahrzeuge. Gleichzeitig werden ihre Autos aber häufiger ersetzt. „Neue E-Autos kommen zuerst dort an, wo Fahrzeuge früh ersetzt werden: in Dienstwagenflotten und bei Haushalten mit hohem Einkommen und hoher Fahrleistung“, sagt Kasten. So könnten bereits 2030 fast die Hälfte der Dienstwagen elektrisch sein. Bei privaten Autobesitzern, die gut verdienen und viel fahren, wären es immerhin noch etwas mehr als 30 Prozent. Am langsamsten erfolgt der Umstieg dagegen bei Haushalten mit geringem Einkommen und geringer Fahrleistung, wie die Auswertungen ergaben.
Dadurch könnte sich auch die Verteilung der Emissionen deutlich verändern. „Die Antriebswende kommt voran. Aber die Haushalte schaffen sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Wer heute mit dem Dienstwagen die höchsten Emissionen verursacht, fährt schon 2030 in jedem zweiten Fall elektrisch”, sagt Thomas Losse-Müller, Direktor der Stiftung Klimaneutralität. Bis 2035 könnten bereits 76 Prozent der Dienstwagen elektrisch fahren. Im Gegensatz dazu wären private Autobesitzer mit geringem Einkommen und hoher Fahrleistung im Jahr 2035 erst zu 30 bis 46 Prozent auf Elektroautos umgestiegen. Sie werden zu diesem Zeitpunkt daher die höchsten verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen pro Haushalt verursachen.
Anschaffungskosten und Lademöglichkeiten sind größte Hürden
Ein weiteres Ergebnis: Einkommensstarke Haushalte geben zwar absolut gesehen mehr Geld für ihre Autos aus, weil sie häufig mehrere größere und neuere Fahrzeuge besitzen. Gemessen an ihrem Einkommen sind Autobesitzer mit wenig Geld jedoch stärker belastet. Die höchste relative Investitionslast in den untersuchten Jahren 2030, 2035 und 2045 werden den Analysen zufolge Haushalte mit weniger als 2000 Euro Nettoeinkommen tragen. Bei Haushalten mit mehr als 6000 Euro Einkommen fällt sie dagegen am geringsten aus.
„Ab Mitte der 2030er steigen die Kosten für die Menschen, die wenig verdienen und trotzdem viel fahren müssen. Ihnen fehlt das Geld für den Umstieg auf ein E-Auto und oft der Stellplatz zum Laden. Wer nicht umsteigen kann, zahlt mit jedem Jahr mehr für Benzin und Diesel“, sagt Losse-Müller. Die Befragung der Stiftung Klimaneutralität bestätigt, dass vor allem die Anschaffungskosten und Lademöglichkeiten den Kauf eines E-Autos beeinflussen. Ohne private Lademöglichkeit würden nur 14 Prozent der Befragten ein Elektroauto kaufen, mit privatem Ladezugang wären es 51 Prozent. 70 Prozent der befragten Menschen können jedoch derzeit weder zu Hause noch am Arbeitsplatz laden.
Um den Umstieg zu erleichtern, empfiehlt die Stiftung Klimaneutralität deswegen, die 2026 eingeführte, einkommensabhängige Kaufförderung auch nach 2028 fortzusetzen. „Wer keinen Stellplatz hat, braucht öffentliche Ladesäulen mit fairen Preisen. Ohne Ladezugang erreicht die Kaufprämie viele Haushalte nicht“, sagt Losse-Müller. Zudem schlagen die Autoren vor, Steuervorteile für Verbrenner-Dienstwagen zu verringern, die Kfz-Steuer stärker am CO₂-Ausstoß auszurichten und Pendler mit geringem Einkommen durch ein Mobilitätsgeld zu entlasten.
Quelle: Öko-Institut/ Stiftung Klimaneutralität. Gutachten: Subsektorale Analyse der Dekarbonisierung des Personenverkehrs (PDF)





